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Anna Papadopoulos und Welella Negussie, Founder von WELANA | “Wir haben bereits bei der Gründung beschlossen, dass unsere Freundschaft über allem steht.”

Anna Papadopoulos und Welella Negussie, Founder von WELANA | “Wir haben bereits bei der Gründung beschlossen, dass unsere Freundschaft über allem steht.”

Anna Papadopoulos und Welella Negussie sind schon seit über 20 Jahren eng miteinander befreundet und haben sich daher auch schon vor der gemeinsamen Gründung von WELANA sehr gut gekannt. Die Risiken und Herausforderungen als Gründer haben sie dabei schon sehr früh erkannt, waren sich aber schon sehr früh einig, dass ihre Freundschaft über allem stehen würde, komme was wolle. Wir haben die beiden im Interview zu ihrer Gründungsgeschichte und der Mission von WELANA befragt und einige tolle Einblicke bekommen.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen Welana zu zweit zu gründen? Wer von euch hatte die Idee?

Anna: Welella hat von 2012 bis 2015 in Äthiopien gelebt und dort gearbeitet. 2014 habe ich sie zusammen mit einer Freundin besucht und wir hatten die Möglichkeit durch dieses wunderschöne Land zu reisen. Da Welellas Eltern aus Äthiopien kommen und wir zusammen in Berlin aufgewachsen sind, haben wir schon sehr lange eine enge Verbindung zur Kultur des Landes, unter anderem zu den schönen Stoffen und vor allem den Decken, den sogenannten Gabis. Als wir zusammen in Äthiopien waren, wurde uns bei einem Ausflug nach Wenchi, ein Kratersee 155 km außerhalb der Hauptstadt Addis Abebas klar, dass wir zusammen ein soziales Projekt in Äthiopien starten möchten. Wenchi hat uns nachhaltig beeindruckt, da der Ort wunderschön ist und die Fruchtbarkeit des Landes dort so sichtbar ist; natürlich aber auch die existierende Armut in der Gesellschaft. Als Welella dann 2015 zurück nach Berlin gezogen ist, haben wir uns noch einmal konkreter mit dem Gedanken auseinandergesetzt. Unser Ziel war es, ein soziales Unternehmen aufzubauen, das die lokalen Communities in Äthiopien unterstützt.  Wir haben nach innovativen Lösungsansätzen gesucht, die den Herausforderungen der lokalen Bevölkerung entgegentreten können. Uns war dabei ein ganzheitlicher und langfristiger Ansatz wichtig, der nicht nur das Leben einzelner Äthiopier*innen verbessert, sondern auch positive Auswirkungen auf die Gemeinschaft hat. Für uns war und ist die Schönheit Äthiopiens unübersehbar und das Land ist bereits bekannt für seine reiche Geschichte, vielseitigen Traditionen und gute Küche. Äthiopien ist aber auch Heimat einer unglaublichen Kultur, die gewebte Textilien aus Baumwolle und Seide produziert. Dafür möchten wir mit unserer Businessidee Sichtbarkeit schaffen und diese tollen Eigenschaften des Landes über die handgemachten Textilien nach Europa und in andere Teile der Welt transportieren. So wurde WELANA geboren.

Ihr seid schon seit eurer Kindheit befreundet, habt euch daher sicherlich auch schon sehr gut gekannt. Haben sich mit der Gründung als Businesspartner Seiten an euch aufgetan, die ihr voneinander noch nicht gekannt habt?

Welella: Für das Studium, und später auch beruflich, waren wir beide erst einmal für längere Zeit im Ausland unterwegs und waren somit viele Jahre getrennt in unterschiedlichen Ländern unterwegs, bevor uns WELANA auch wieder in unserem Alltag zusammengebracht hat.

Gerade in der Anfangsphase haben wir uns täglich mit der Gründung und allem was damit einhergeht auseinandergesetzt. Anna war schon immer sehr strukturiert und hatte aufgrund ihres Studiums und Berufs auch das fachliche Wissen rund um das Thema Gründung und Entrepreneurship. Das hat mich wirklich sehr beeindruckt.

Viele empfinden eine Gründung als Freunde oder innerhalb der Familie auch als eine Zerreißprobe für das Miteinander. Hattet ihr eine Art Abmachung eure Freundschaft zu schützen, sollte dieses Projekt in die Hose gehen?

Anna: Auf jeden Fall. Gründen und die damit einhergehenden emotionalen und finanziellen Investitionen können eine Freundschaft natürlich sehr beeinflussen. Wir haben bereits bei der Gründung beschlossen, dass egal was kommt, unsere Freundschaft über allem steht. Es war uns super wichtig von Anfang an, unsere Werte für WELANA und unser Miteinander in der täglichen Arbeit festzulegen. Ganz wichtig ist es uns bis heute, dass wir immer ehrlich unsere Meinung teilen und nur Entscheidungen treffen, die mit unseren Grundsätzen übereinstimmen. Das bedeutet auch, gewisse Angebote abzulehnen, die eventuell profitabel sind, aber nicht mit unserer Grundphilosophie übereinstimmen.

Wie habt ihr euer Konzept finanziert? Habt ihr Investoren oder seid ihr Eigenfinanziert? Und wie schnell nach Gründung seid ihr profitabel gelaufen? 

Welella: Glücklicherweise konnten wir WELANA durch Erspartes und die Unterstützung unserer Familien finanzieren. Außerdem haben uns unsere Freunde, die in unterschiedlichen Bereichen wie Marketing und Design Experten sind, sehr unterstützt. Das hat uns motiviert am Ball zu bleiben und die Idee trotz einiger Hürden zu realisieren. Durch die Eigenfinanzierung haben wir nicht den Druck gespürt, sofort profitabel sein zu müssen. Zwei Jahre nach der Gründung konnten wir unsere ersten Gewinne erzielen.

credit: Welana

Ein solches Businesskonzept aufzustellen hat sicherlich auch einige große Unbekannte und Herausforderungen mit sich gebracht, den Import von Ware aus Drittländern stellen wir uns sehr komplex vor. Was musstet ihr noch erlernen und wo habt ihr euch Hilfe ins Boot geholt?

Anna: Um ehrlich zu sein, mussten wir alles neu erlernen. Wir hatten weder Erfahrung in der Textilbranche noch mit Import und Export. Wichtig für uns war, dass wir in Äthiopien mit Partnerorganisationen zusammenarbeiten, denen wir hundertprozentig vertrauen können, die unsere Ansicht von fairer Arbeit teilen und die sich auch gut mit den Exportbestimmungen Äthiopiens auskennen. Durch die langjährigen Erfahrungen der Partnerorganisationen haben wir einen sehr guten Einblick in alle wichtigen Regelungen erhalten. Wir haben hier natürlich auch unsere Recherche betrieben, was den Import angeht und uns dann relativ frühzeitig mit den zuständigen Behörden in Deutschland in Verbindung gesetzt. Bei dem ersten Auftrag und Versand der Produkte von Schals, Tüchern und Decken nach Berlin waren wir sehr aufgeregt. Aber es hat alles gut geklappt. 

Wie herausfordernd ist es für euch, die Qualität und die Warenzugang bestmöglich unter Kontrolle zu halten? Reist ihr regelmäßig nach Äthiopien?

Welella: Das war natürlich bei der Konzeptionierung einer unserer Hauptpunkte: Wie stellen wir sicher, dass die Ware unseren Qualitätsvorstellungen und die der Kunden entspricht? Wir haben über Familie und Bekannte nach Webern und Weberinnen in Äthiopien gesucht, mit denen wir zusammenarbeiten können. Uns ist dabei ziemlich schnell klar geworden, dass wir mit lokalen Fair Trade Partnern zusammenarbeiten möchten, die ein ähnliches Verständnis und Interesse an diesen Themen haben wie wir und nur mit natürlichen Stoffen wie Baumwolle und Seide arbeiten. Zusammen mit unseren lokalen Partnern konnten wir uns über die gewünschten Designs, Muster, Stoffe und Farben für die WELANA Kollektion austauschen. Die Qualitätskontrolle findet in Äthiopien vor dem Export statt. Wir versuchen regelmäßig nach Äthiopien zu reisen und unsere Partner zu besuchen. Über Familienmitglieder und Freunde, die nach Äthiopien reisen oder dort leben, haben wir ebenfalls die Möglichkeit mit den Weberinnen und Webern von Angesicht zu Angesicht in Kontakt zu bleiben. Zusätzlich stehen wir in regelmäßigem digitalen Austausch um die gegenseitigen Bedürfnisse abzugleichen.

Der Fashionmarkt wird doch noch sehr fast Fast-Fashion dominiert und die großen Labels drücken die kleinen doch noch sehr in den Hintergrund. Wie schwer/einfach ist es für euch am Markt wahrgenommen zu werden? Wie erreicht ihr eure Kunden?

Anna: Wir sind sehr an Slow Fashion interessiert und daran, was kleinere Brands im Bereich Nachhaltigkeit und Fair Trade machen. Mit der dominierenden Fast-Fashion Industrie können und möchten wir nicht mithalten, da wir andere Werte vertreten und Sichtbarkeit für die Kunst der Handarbeit in Äthiopien über unsere Plattform schaffen möchten. Genau diese Sichtbarkeit für unsere Marke und Produkte zu schaffen ist aber gar nicht so einfach. Natürlich nutzen wir viel soziale Medien wie Instagram und Facebook, um unsere Zielgruppe zu erreichen und anzusprechen. Wir freuen uns auch immer, wenn sich Berichterstattungen in Magazinen und Zeitungen über WELANA ergeben. Bei Publikationen erhalten wir oftmals viel positive Rückmeldung. Die besten Botschafter für WELANA sind aber unsere tollen Kunden, die bereits ein WELANA Produkt besitzen und uns in ihrem Freundeskreis und ihrer Familie weiterempfehlen.

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Schaut ihr noch sehr darauf, was links und rechts in der Fashionszene passiert? Wie sehr lasst ihr euch noch positiv oder negativ von dem beeinflussen, was andere machen?

Welella: Generell sind wir sehr daran interessiert, wie sich das Thema Slow Fashion und Nachhaltigkeit skalieren lässt und was andere Marken in dem Bereich bereits tun. Natürlich werden wir auch von dem beeinflusst, was um uns herum passiert. Wir versuchen uns trotz vieler negativer Entwicklungen in der Textilbranche, wie Ausbeutung und Massenkonsum, auf positive Botschaften, Grundsätze und Persönlichkeiten zu konzentrieren und von ihnen zu lernen. In diesem Bereich gibt es ja zum Glück auch viele Vorbilder.

Zurzeit ist das Thema COVID-19 natürlich auch für uns relevant und bald wird es Masken in unserem Online-Shop geben. Für die Herstellung der Masken arbeiten wir mit unserem Upcycling Partner Schmidttakahashi in Berlin zusammen, die für uns einige unserer äthiopischen Stoffe in Masken umfunktionieren.

Wohin möchtet ihr euer Fashionlabel wachsen sehen. Was steht auf eurer Bucketlist?

Anna: Wir wünschen uns, dass wir über die Schals, Tücher und Decken bald auch andere nachhaltige Textilprodukte für Mütter, Babys und Familien herstellen und anbieten können. Außerdem erhoffen wir uns, durch zukünftige Kollaborationen mit gleichgesinnten Unternehmen einen Beitrag zum Umdenken in Richtung nachhaltigem, bewusstem Konsum in der Gesellschaft leisten zu können.

Welella: Und natürlich hoffen wir, noch viele weitere Kund*innen von unseren Produkten – und Äthiopien – zu begeistern.

www.welana.com

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