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Jenny Strumpf & Anna Lange, Gründerinnen von Vegane Reisen im Interview
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Jenny Strumpf & Anna Lange, Gründerinnen von Vegane Reisen im Interview

Jenny Strumpf (links) und Anna Lange (rechts) / Foto: Vegane Reisen

Als Jenny Strumpf und Anna Lange sich 2009 während des gemeinsamen Studiums für Tourismusmanagement kennengelernt haben, hatten sie schon die Leidenschaft für fremde Länder als tollen gemeinsamen Nenner. Einige Jahre später schlossen sie sich als Team zusammen. Anna stieg ins Team des von Jenny gegründeten Reiseveranstalters Go´n joy Africa ein und ergänzte das Team mit Erlebnisreisen nach Lateinamerika. Das Besondere: Jenny und Anna schenken ihren Kunden keine Erlebnisse am Massentourismus orientiert, sondern sprechen als Zielgruppe Veganer an, die Afrika und Lateinamerika abseits des Mainstreams erleben wollen.

Wie kam es zu den veganen Reisen und warum Afrika und Lateinamerika?

Die Idee entstand 2015 auf Jennys Inforeise durch Südafrika, die damals bereits Inhaberin des Reiseveranstalters Go’n joy Africa war. Sie reiste mit einer veganen Freundin, welche unterwegs des Öfteren gefragt wurde, ob sie nicht einmal Huhn oder Fisch essen würde. Auf einer der langen Fahrten durch das Hinterland Kapstadts kam ihr schließlich die Idee, vegane Reisen zu organisieren. Im Jahr 2018 kam dann Anna als Lateinamerika-Spezialistin und -Liebhaberin zu Go’n joy. Grund für den Wechsel in die Selbstständigkeit war bei ihr die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Mittlerweile leitet sie selbst den Lateinamerika-Veranstalter Go’n joy Erlebnisreisen.

Vegane Reisen in Europa oder auch Asien gibt es bereits einige. Wir wollten jedoch gerade in Ländern, in denen vegane Ernährung nicht so einfach umzusetzen ist, eine Möglichkeit anbieten, zu reisen und trotzdem nicht nur Pommes oder Obstsalat zu essen. Außerdem wollten wir in unseren Reiseländern selbst neue Impulse setzen. Mittlerweile organisieren wir quasi als Joint Venture die veganen Erlebnisreisen durch Afrika und Lateinamerika.

Steht bei dem veganen Aspekt rein das kulinarische im Vordergrund oder geht es ebenfalls auch um andere Aspekte (Nachhaltigkeit, Tierschutz,…)?

Bei uns sind einige Aspekte gleichwertig angesiedelt – vegane Verpflegung, soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit und Tierschutz. Wir arbeiten zum Beispiel nur in Ausnahmefällen mit Kettenhotels zusammen, informieren Kunden über nicht-empfehlenswerte Ausflüge und klären selbst vor Ort Unterkünfte und lokale Vertretungen auf. Vor wenigen Wochen konnten wir durch unsere Aufklärung beispielsweise Plastik-Trinkflaschen und Einweg-Picknickboxen gegen wiederverwendbare Flaschen und Stahlboxen ersetzen. Dabei ist uns aber immer der Respekt gegenüber der lokalen Bevölkerung wichtig. Wir möchten nicht missionieren, sondern mit Respekt die Menschen inspirieren. Die lokalen Agenturen sind kleine, inhabergeführte Agenturen, durch die wir außerdem sicherstellen können, dass die gezahlten Gelder im Land selbst ankommen.

Jenny mit lokaler Agentur in Kenia (Foto: Jenny Strumpf)
Anna auf Reisen (Foto: Anna Lange)

Welche Erlebnisse wünscht ihr euren Kunden?

Wir wünschen unsere Kunden authentische Erlebnisse, um einen Einblick in das echte Leben in einem Reiseland zu bekommen und es so richtig kennenzulernen. Das schaffen wir mit lokalen Guides, familiären und kleinen Unterkünften, Kontakt mit Einheimischen und indigenen Völkern sowie der Besuch von Nationalparks und Tierschutzstationen, die nicht auf den Routen des Massentourismus liegen.

Wonach sucht ihr eure Reiserouten aus? Was sind Schlüsselfaktoren, die essentiell bei eurer Planung sind?

Die Schlüsselfaktoren bei unserer Planung sind vor allem zuverlässige Partner vor Ort. Unsere Reiserouten suchen wir anhand eigener Ortskenntnisse, Erfahrungen und der Erfahrungen unserer Partner in den Ländern aus. Ein Schlüsselfaktor auf unseren veganen Reisen sind nachhaltige Unterkünfte, die vegane Gerichte anbieten sowie tierleidfreie Touren.

Gibt es Länder, die mehr oder weniger geeignet sind für eure Nischenreisen?

Prinzipiell ist vegane Ernährung in unseren Reiseländern ohnehin bereits ein Novum. Natürlich gibt es aber Länder, in denen es kaum umsetzbar ist. Dazu zählen z. B. Namibia und Ecuador.

Gern möchten wir dort natürlich Pioniere sein, wir können aber nicht einschätzen, was dann genau auf den Tellern landet.

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Jenny mit lokaler Agentur in Tansania

Ihr unterstützt auch Kunden mit individuellen Reisewünschen. Kann man mit diesem Wunsch für jedes Land auf euch zukommen oder beschränkt ihr euch auf ein paar wenige?

Da wir Inhaberinnen zweier Reiseveranstalter sind, verfügen wir über ein größeres Portfolio an lokalen Partnern und Reiseländern. Nicht in alle Länder bieten wir derzeit vegane Reisen an. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es einfacher ist, vegane Reisen in der Gruppe zu organisieren, als individuell für z. B. nur zwei Personen. Dies liegt daran, dass es auch für die Unterkünfte etc. leichter ist, für viele statt für wenige Reisende zu kochen. Zugunsten der Auslastung haben wir uns derzeit bei unseren Kleingruppenreisen auf die Länder konzentriert, die wir selbst am liebsten bereisen und über die wir das umfangreichste Wissen mitbringen.

Wie kann man sich die Reisen konkret vorstellen? Wird man vor Ort begleitet oder kann man die auch auf eigene Faust machen?

Auf unseren Kleingruppenreisen reist immer eine von uns oder eine Person aus der „veganen Szene“ mit. Eine gewisse Kontrolle ist nach wie vor auf den Reisen nötig. Falls jemand ein Land individuell erkunden möchte, ist dies abhängig vom Reiseland auf Anfrage auf eigene Faust oder mit privaten Guides möglich, aber ein gewisses Verständnis und der Wille ggf. vor Ort nochmal die eigene Ernährung zu erklären, muss dann trotzdem von den Reisenden mitgebracht werden.

www.vegane-reisen.com

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