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Erzsébet Wagner, Gründerin von Utmon es pour Paris | „Paris ist ein Ort, an dem sich vereint, wovon ich immer geträumt habe: Schönheit, Eleganz und Vielfalt“

Erzsébet Wagner, Gründerin von Utmon es pour Paris | „Paris ist ein Ort, an dem sich vereint, wovon ich immer geträumt habe: Schönheit, Eleganz und Vielfalt“

Wenn ich nicht kaufen kann, was ich haben möchte, dann muss ich es halt selbst machen. So oder so ähnlich war das resignierte Fazit von Erzsébet Wagner nach einer monatelangen Suche nach einer passenden Tasche für ihre Bedürfnisse – und gleichzeitig wurde es die Geburtsstunde der ‚Switchbag‘. Eine Tasche, die mehr ist als eine Tasche ist. Eine Clutch, Beautycase und Organizer mit intelligentem Innenleben, in dem alles seinen Platz hat, was Frau so benötigt. Sie ist dabei auch eine Tasche, die klein genug ist, um bequem in einem Shopper zu verschwinden.

Das Konzept überzeugte in einem rasanten Tempo sowohl Frauen als auch die Jury des German Design Award. Dabei hatte Erzsébet eigentlich nie vorgehabt, Unternehmerin zu werden.

Heute, knapp drei Jahre nach der Gründung von ‚Utmon es pour Paris‘, kann sie sich kein schöneres Leben vorstellen. Obwohl es für sie oftmals einen riesigen Spagat bedeutet, Familie und Business unter einen Hut zu bringen und dabei ihren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. „Frauen sollten sich nicht verstecken, sie sind genauso stark und erfolgreich wie Männer“, dafür lebt sie und möchte andere Frauen ermutigen, selbstbestimmt ihren Weg zu gehen.

Foto: Erzsébet Wagner

Was hast du vor deiner Selbstständigkeit gemacht?

Ich hatte ein sehr bewegtes Leben. Ich bin in Ungarn, einem Land mit geschlossenen Grenzen, aufgewachsen. Ich wollte also erst einmal nur leben und die Welt sehen. Das habe ich dann auch getan, ich bin gereist, habe alle möglichen Jobs angenommen. Ich habe sogar als Nanny die Kinder eines Profifußballspielers betreut. Ich habe studiert – ich bekam meine zwei Kinder und war immer berufstätig. Dann lernte ich vor einigen Jahren meinen jetzigen Mann kennen, wir haben einen gemeinsamen Sohn und leben in der Universitätsstadt Göttingen. Hier bin ich nach vielen Jahre der Suche heimisch geworden.

Woher kommt deine Leidenschaft für Mode?

Diese Leidenschaft ist wahrscheinlich aus einer Sehnsucht erwachsen. In meiner Kindheit und Jugend in Ungarn hatte ich lediglich Zeitschriften aus dem westlichen Ausland, die ich immer wieder durchblätterte. Die Frauen in den Designerkleider gefielen mir, ohne dass ich eine Chance sah, jemals selbst so etwas zu tragen. Ich wünschte mir damals: Wenn ich groß bin, möchte ich schnelle Autos fahren, ein großes Haus haben und schöne Kleider tragen. Als ich dann mit 19 Jahre einige Zeit in Paris verbrachte, war ich fasziniert von den Frauen, die selbst im Alltag gut aussahen. Genauso wollte ich leben – und letztlich habe ich mir diesen Traum erfüllt.

Was hat dich nach Paris verschlagen und dich dort gehalten?

Ich wollte die Welt sehen. Paris war ein Sehnsuchtsort. Und als ich dort ankam, war mir klar, dass ich dort auch zumindest eine gewisse Zeit leben möchte. Ich war jung, ich hatte keine Verpflichtungen und ich hatte keine Angst etwas Neues auszuprobieren. Grundsätzlich liebe ich die französische Lebensart – sie entspricht sehr meinem Wesen und meiner Lebenseinstellung. Ich fühlte mich dort wirklich zuhause. Der Liebe wegen kam ich dann aber nach Deutschland zurück. Aber dieses Heimatgefühl verspüre ich heute noch, wenn ich dort bin. Zum Glück komme ich durch meine Arbeit in der Welt der Mode jetzt wieder häufiger zurück.

Hat Paris dich auch dazu gebracht eine Karriere als Designerin zu verfolgen?

Ich würde sagen, Paris hat mich inspiriert.

Woher kommt der Name Utmon es pour Paris und was bedeutet er?

„Utmon es pour Paris“ ist die Kurzform von „Tout mon Esprit pour Paris“ und ist eine Hommage an Paris. Für mich ist und bleibt Paris nicht nur die Stadt der Liebe. Sie ist ein Ort, an dem sich vereint, wovon ich immer geträumt habe: Schönheit, Eleganz und Vielfalt. Für Frauen, die lässig ihr Leben meistern und dabei stets gut aussehen, kreiere ich meine Kollektionen.

Nun gibt es viele verschiedene Möglichkeiten sich in Mode auszutoben. Warum bist du gerade beim Leder hängengeblieben?

Mein Weg als Designerin hat sich aus der Not heraus entwickelt. Ich habe die Geschichte schon öfter erzählt, sie ist sozusagen die Gründungsgeschichte, die sich wirklich so zugetragen hat: Ich liebe es mit modischen Accessoires zu spielen und entsprechend meine Handtaschen zu wechseln. Doch wenn ich morgens diese Tasche und abends eine andere nehmen möchte, muss ich ständig den Inhalt von hier nach dort räumen. Und du weißt, was sich alles so in der Handtasche einer Frau befinden kann … Daher suchte ich ganz pragmatisch nach einer Lösung. Ich fand jedoch keine Tasche auf dem Markt, die meinen Ansprüchen gerecht wurde: nämlich elegant und praktisch zu sein. So entschloss ich mich, selbst aktiv zu werden. Und da ich ein sehr zielstrebiger Mensch bin, mache ich nichts halbherzig: wenn, dann auch richtig. Ein handschmeichelndes Leder für eine Tasche, verbunden mit hochwertiger Qualität auch in der Verarbeitung war mir dabei sehr wichtig. So kam ich zum Leder. Wobei du in meiner neuesten Kollektion auch Denim-Taschen findest.

Du suchst deine Materialien sorgsam aus und arbeitest auch mit ausgewählten Lieferanten. Was sind deine Kriterien?

Ich bin der Überzeugung, dass wir alle eine Verantwortung für unseren Planeten haben, und dass jeder seinen Beitrag dazu leisten kann – ob im Großen oder im Kleinen. Nächtelang habe ich wachgelegen und gegrübelt, wie ich meine Kollektionen nachhaltig produzieren kann, und zwar so, dass ich wirklich dahinterstehen kann. So war mir wichtig, dass erstens die Taschen in Deutschland gefertigt werden, und dass zweitens das Leder aus zertifizierten Tierfarmen stammt, um sicherzustellen, dass keine in der Natur lebenden Tiere gefährdet werden. Außerdem fahre ich regelmäßig zu meinen Lieferanten, um die Qualität vor Ort zu prüfen.

Foto: Erzsébet Wagner

Du engagierst dich mit deiner Arbeit ebenso für das renommierte Kinderhilfswerk. Was ist dir dabei besonders wichtig?

Ich bin selbst Mutter von drei Kindern und für mich ist es nur natürlich, dass mir auch das Wohlergehen anderer Kinder am Herzen liegt. Ich habe in meinem Leben viel Glück gehabt und lebe jetzt in einem der reichsten Länder. Im letzten Jahr war ich mit meinem Mann in einem Dorf in Rumänien in der Nähe von Sibiu. Was es dort für Armut gibt, ist unvorstellbar. Ich möchte einfach viel mehr Kindern eine Chance geben – und mit meinem Business habe die Möglichkeit.

Jedes deiner Produkte hat ebenfalls ein besonderes duftendes Merkmal. Erzähle uns bitte mehr darüber.

Ja, das ist eine spannende Geschichte gewesen. Nachdem ich mir irgendwann in den Kopf gesetzt, dass Frau, wenn sie die Switchbag bei sich führt, nicht das Leder spüren, sondern immer auch einen Hauch eines Parfüms wahrnehmen sollte. So wie früher die Könige in Frankreich ihre Handschuhe parfümierten – ein besonderer Hauch von Luxus. Ich spürte in Paris ein Parfümeurin auf. Mit ihr zusammen entwickelte ich den Duft für die Taschen. Es war wahnsinnig interessant, dabei zu sein und die Raffinesse dieses Handwerks kennenzulernen. Ich hatte eine ungefähre Vorstellung von dem Ergebnis und bin begeistert, was letztlich entstand: Eine Komposition aus Bergamotte, Maiglöckchen, Leder und Vanille – und noch einigen kleinen Geheimnissen. Jede Switchbag duftet daher unverwechselbar. Ein Duft, den Frauen auch ohne die Pouchette tragen können. Ich habe ihn Utvoir Nr. 1 genannt. Allerdings gibt es ihn nur in limitierter Auflage.

Paris ist in deiner Arbeit sehr verankert. Was ist an dieser Stadt so besonders, dass du an deine Kunden weitergeben möchtest?

Die kleinen Dinge des Lebens zu genießen. Und dabei auf alles vorbereitet sein. Deshalb habe ich die Switchbag entworfen, damit wir Frauen ohne Kompromisse Frau sein können.

Mittlerweile hast du Standorte in Paris, London, Mailand und Göttingen und deckst somit die wichtigsten Metropolen der Mode ab. Verglichen miteinander, woher kommt der größte Einfluss in deiner Arbeit? Setzen die Menschen in den jeweiligen Städten Mode anders um? 

Göttingen würde ich nicht als Mode-Metropole bezeichnen – das muss es aber auch nicht sein. Hier verarbeite ich meine Inspirationen und gehe das Leben etwas ruhiger an. Was jedoch für meine Arbeit wahnsinnig wichtig ist.

Der Unterschied zwischen den Metropolen in Europa ist nicht ganz so gravierend, wie beispielsweise die modischen Vorlieben meiner Kundinnen in Dubai. Dort trauen sie sich viel mir Prunk und Glamour zu tragen. Und letztlich glaube ich, wenn man kreativ ist, dann ist man ständig auf der Suche und letztlich fließt alles mit ein die neuen Kreationen.

Was inspiriert dich heute?

Nach wie vor Paris…

www.utmon-paris.com

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