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Christina Walz, Bloggerin und Gründerin von Stylepeacock | “Bloggen und Social Media ist ein kurzlebiges Tagesgeschäft, das ständigen Einsatz erfordert.”

Christina Walz, Bloggerin und Gründerin von Stylepeacock | “Bloggen und Social Media ist ein kurzlebiges Tagesgeschäft, das ständigen Einsatz erfordert.”

Christina Walzes Liebe zu Interior und Lifestyle liegt ganz in ihrer kreativen Ader begründet, sagt sie. „Meine Roots liegen in der Kunst.“ Tatsächlich besitzt sie ein Hochschuldiplom in Freier Kunst, Fachrichtung Zeichnung. Sie mag es zu gestalten und hält sich nicht gerne an vorgegebene Muster. So kocht und backt sie auch nicht nach festen Rezepten, entwickelt höchstens selbst welche. Mit dem Einrichten verhält es ähnlich. „Ich probiere gerne, mixe Stile und versuche viel Vintage zu integrieren. Nachhaltigkeit liegt mir zunehmend mehr am Herzen“. Im Interview erzählt die Bloggerin, die sich von einer ursprünglichen Beauty-Bloggerin nun zum Interior Design entwickelt hat, mehr zu ihrem Werdegang ihres Blogs Stylepeacock und woher sie ihre Inspirationen nimmt.

Liebe Christina, zunächst, woher kommt der Name Stylepeacock?

Den Namen Stylepeacock habe ich mir einfach ausgedacht. Der Pfau, so bunt, wunderbar und schön steht für meinen Blog, der schon immer mit Style zu tun hatte, ob Fashion, Beauty oder eben nun Interior und Lifestyle. Ich habe tatsächlich einfach Brainstorming betrieben, was ein guter Name für einen Blog sein kann, der thematisch nicht zu festgelegt ist, aber verkörpert, was ich umsetzen möchte. Wohin die Reise geht, was mir beim Blogstart überhaupt nicht klar. Es gab nur eine Idee und keinen Plan.

Man betont ja immer wieder die Wichtigkeit, sein Umfeld in seine kleine Oase zu verwandeln, damit man den perfekten Ort hat, um herunterzukommen. Was bedeutet dieses Wohlfühlen für dich und was hat sich zu deinem Lieblingsort in deinem Heim entwickelt?

„My home is my castle “. Mein Zuhause ist extrem wichtig für mich und mich darin wohl zu fühlen umso mehr. Dies ist tatsächlich die erste Wohnung, die ich ganz alleine bewohne. Mit 18 ging es vom Elternhaus erst in die Studenten-WG mit Freundin und anschließend kam das Zusammenleben mit Freund und späterem Mann. Nach der Scheidung habe ich dann bis zum letzten Jahr eine Wohnung mit meinem Sohn geteilt. Er hatte zwar bereits seit Jahren Studentenzimmer in anderen Städten, aber die Homebase war bis dato noch vorhanden. Nach einigen Schicksalsschlägen und großen Veränderungen war es an der Zeit, mich noch einmal komplett neu aufzustellen. Ziel war Berlin, geworden ist es Potsdam – und darüber bin ich sehr froh.

Mein Lieblingsort daheim? Das ändert sich mit der Tageszeit, dem anstehenden Programm und natürlich mit der Jahreszeit. Im Sommer liebe ich es mich auf meinem großen Balkon aufzuhalten. Mit Freunden verbringe ich auch oft Abende in der Küche. Zum Arbeiten sitze ich am Tisch und abends immer auf dem Boden. Ich ein totaler Fußbodenmensch. Eigentlich ist der Teppich vor meinem Sofa mein liebster Ort. Manchmal hocke ich auch in der oberen Etage auf dem Bett und arbeite dort. Das ist so ruhig und abgeschieden. Da kann ich mich besonders gut konzentrieren. Zum Lesen sitze ich auch gerne auf meiner Treppe. Dor hängen meine Kunstdrucke von DaVinci und Dürer, die ich als Zeichner beide sehr verehre.

Foto: Christina Walz / Stylepeacock

Du bezeichnest deine Wohnung als deine “Puppenmaisonette”. Inwieweit hat sie dich in deiner Arbeit inspiriert?

Meine Wohnung ist für mich total inspirierend. Eine Maisonette war immer ein Traum von mir. Dieses „Hausgefühl“ über mehrere Etagen in einer Wohnung zu haben, ist für mich ganz wunderbar. Meine vorherige Wohnung war viel größer und auch komfortabler ausgestattet, aber eben klassisch auf einer Ebene. Meine jetzige „Puppenmaisonette“ passt zu mir. Ein Jahr habe ich intensiv gesucht, bis der Bauch gesagt hat, dies wird dein Zuhause. In meinem kleinen Hinterhaus gibt es pro Etage nur eine Wohnung, d.h. es existieren nur zwei Parteien unter mir. Das ist sehr privat und das Haus hat etwas von einem Rapunzelturm.

Puppenmaisonette deshalb, weil die Wohnung klein und ein bisschen verschachtelt ist. Mit 29 qm ist der Wohnraum sogar recht groß, aber eben auch das Herzstück, in dem sich fast alles abspielt. Die auf der halben Ebene oben im Giebel eingezogene Etage besteht nur aus einem kleinen Schlafzimmer und einem Miniraum. Diesen habe ich durch das Versetzen einer Wand gewonnen; er hat keine 7 qm. Die Balkendecken in Küche und Bad – wie auch die obere Etage – sind extrem niedrig. Ein Basketballspieler passt hier nicht rein. Alles in allem ist das sehr „puppig“. Jeder, der meine Wohnung zum ersten Mal betritt sagt, dass er nun versteht, warum ich sie so nenne. Unter einer Maisonette stellen sich die meisten eine richtig große Wohnung mit ausgedehnter Galerie und großen loftartigen Räumen vor. Ich besitze eben die „Puppenausgabe“ davon.

Wo findest du immer wieder neue Möbelstücke und Einrichtungsaccessoires? Wo gehst du gerne shoppen?

Ich gebe zu, ich bin ein IKEA Junkie. Nicht, dass ich nicht viele Möbelläden und Designerstücke ganz wunderbar finde, aber das Budget dafür habe ich als alleinerziehende Mutter und kleine Selbständige nie besessen. Wenn ich richtig schlecht drauf bin, fahre ich zu meinem Lieblingsschweden am Tempelhof und trödle dort herum. So einiges an Geschirr und Deko besitze ich vom Schwedenriesen.

Derzeit arbeite ich mich durch die Vintage-Stores Berlins, es gibt da so einige tolle. Dazu plane ich auch einen Beitrag auf meinem Blog. Gerade habe ich einen echten Albert Stoll Stuhl im Urban Industrial in Berlin-Friedrichshain gekauft. Dies ist mein erstes echtes Vintage-Designer-Stück. Flohmärkte sind natürlich auch eine tolle Quelle. Die Zeiten echter Schnäppchen sind leider fast vorbei. Die Preise für Mid Century Teile und antike Möbel sind wahnsinnig in die Höhe geschossen seit Vintage und dänisches Design der 60s wieder so angesagt sind. Straßenfunde mache ich auch ab und zu. Wie auch in Berlin stellen die Menschen in Potsdam einfach raus, was sie nicht mehr benötigen. Meine Ausbeute waren kleine Deko- und Geschirrartikel, aber auch ein Tischchen für den Flur, zwei riesige Kerzenständer und als Krönung ein etwas angeschlagener Biedermeier Nähtisch.
Gute Quellen sind natürlich auch eBay und eBay Kleinanzeigen. Ein Blick in den Keller des elterlichen (oder großelterlichen) Haushalts lohnt sich häufig ebenfalls. Denn da ruhen sie, die vergessenen Dinge der Mid Century Ära. Etsy bietet auch wunderbar Stücke, aber nicht immer billig. In meinem Haushalt findet sich so einiges, was ich aus dem Keller meiner Eltern vor dem Sperrmüll gerettet habe.

Welchen simplen Trick hast du, um das Eigenheim mit wenig Budget fürs Wohnbefinden aufzuwerten?

Wenn ich mit wenig Budget mich selbst ein wenig glücklich machen und ein paar neue Akzente setzen will, gehe ich zu Oxfam. Dor kann man vor allem ganz wundervolle alte Gläser finden, die meist kaum mehr als einen Euro kosten. Dies ist zudem nachhaltig und auch noch für einen guten Zweck.

Außerdem räume ich gerne um. So setzt man völlig kostenfrei neue Akzente. Was dies betrifft, hätte ich gerne mehr Zimmer, in denen ich die Möbel untereinander austauschen kann. Meine Möglichkeiten sind hier natürlich beschränkt. Aber gerade die Kleinmöbel wechseln häufig den Platz. Deko-Artikel kann man immer wieder zum Teil wegpacken und nach einiger Zeit neu entdecken. So muss man nicht ständig Dinge kaufen. Sachen zweckentfremden und neu zu arrangieren ist auch eine Low Budget Lösung, um für Abwechslung zu sorgen. Körbe z.B. kann man so multifunktional einsetzen, ob für Wäsche, Storage oder als Blumenübertopf. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Foto: Christina Walz / Stylepeacock

Wann und wie hat sich Stylepeacock zu einem Business für dich entwickelt und wie lange hat es gedauert, bis es für dich profitabel wurde?

Stylepeacock ist mal mehr und mal weniger ein Business und derzeit nicht so gewinnbringend. Plan war es, in meinem neuen Heim nach meinem Umzug mit dem neuen Schwerpunkt Interior voll durchzustarten. Doch ich bin Opfer eines Handwerksbetrugs geworden. Statt einer renovierten Wohnung habe ich eine Bauruine vorgefunden. Das Handwerksteam, das alles modernisieren sollte, hat einen katastrophalen Schaden angerichtet. Dies hat mich mit meinem Business stark zurückgeworfen und mir auch finanziell großen Schaden zugefügt. So musste ich geplante Kooperationen absagen und erst einmal sehen, wie ich mit wenigen Mitteln mein zerstörtes Heim bewohnbar mache. Ist man ein paar Wochen nicht voll am Start, wirft einen das stark zurück. Bloggen und Social Media ist ein kurzlebiges Tagesgeschäft, das ständigen Einsatz erfordert.

So profitabel wie mein Blog zu Zeiten der Ausrichtung „Beauty“ war, ist er nun lange nicht wieder, aber ich gebe nicht auf. Die Freude am Thema und die Bereitschaft Zeit und Mühe zu investieren sind weiterhin vorhanden.

Du bloggst nun schon seit 2014 und hast im letzten Jahr deinem Blog auch eine neue Ausrichtung gegeben. Was hat sich in deinen Augen in den letzten Jahren am Markt verändert und warum der Shift für dich?

Obwohl mein Blog mit dem Thema Schönheit gut lief und ich produktiv mit großen Firmen intensiv bearbeitet habe, wollte ich meinem Portal eine neue Ausrichtung geben. Nach einigen schlimmen familiären Schicksalsschlägen und dem Handwerksbetrug haben sich die Prioritäten in meinem Leben stark verschoben. Meine oberste Priorität ist Authentizität. Nachhaltigkeit ist für mich sehr viel wichtiger als Konsum geworden. Um als Beauty-Blogger profitabel zu arbeiten, muss man ständig neue Produkte testen und empfehlen. Glaubwürdigkeit ist mir sehr wichtig und es entspricht einfach nicht (mehr) meinem Lebensstil, Konsum in den Vordergrund zu stellen. Vor Make-up- und Pflegeprodukten überquellende Schubladen zu besitzen oder Leute zu permanentem Neukauf zu motivieren, gibt mir nichts mehr. Bei meinem Umzug habe ich radikal aussortiert und die meisten Produkte, wie auch 80 % meiner Kleidung, gespendet. 100 Lidschattenpaletten in ähnlichen Farben, Kommoden voller Cremes oder Tonnen Kleidung zu besitzen, bedeutet mir einfach nichts mehr.

Was sich auch stark im Bloggerbusiness – vor allem im Beautybereich – verändert hat, ist die Wichtigkeit der eigenen Präsenz. Anfänglich waren es nur die Fashionblogger, die sich beständig selbst promotet und gezeigt haben. Die Einführung der Instastories hat hier einen großen Push in Richtung Selfpromotion gegeben. Mit selbst liegt die beständige Darstellung meiner eigenen Person nicht so sehr. Ich möchte mehr durch meinen Content inspirieren und stelle mich nicht gerne vor die Kamera. Ich glaube allerdings, dass es nötig ist, die eigene Person stark in den Vordergrund zu stellen, um ganz oben im Influencer- und Bloggerbusiness mitzuspielen. Durch die Ausbreitung des reinen Influencer-Business ist Blogcontent weniger wichtig, der Personenkult aber weitaus stärker geworden.

Du bist auch noch als Freelancer in Sachen Blogger, Copy Writer und im Social Media unterwegs. Wie gehst du mit dem Arbeitsaufwand im Alltag um? Was hat für dich Priorität um dein Business so zu entwickeln, wie du es dir vorstellst?

Mein Ziel ist es meine Leser und Follower zu inspirieren. Zielgruppe sind Leute, die ihr Heim kreativ eklektisch einrichten möchten. Mein Blog ist für Menschen, die sich nicht sklavisch an Einrichtungsregeln und feste Stile halten. Mit meinem eigenen Heim und Einrichtungsideen möchte ich dazu anregen, sich auf das eigene Gefühl bei der Gestaltung der Wohnung zu verlassen. Was gefällt mir und womit fühle ich mich wohl? Was ist mir wichtig, um mich in meinem Haus richtig daheim zu fühlen? Denkanstöße und Inspiration statt starrer Regeln findet man bei mir auf dem Blog.

Wichtig ist es mir auch aufzuzeigen, dass eine tolle Wohnung nicht eine Frage des Geldes ist. Mit etwas Fantasie und Initiative kann man sich auch low budget ein schönes Zuhause schaffen. Nachhaltig ist es zudem, alten Möbeln zu einem neuen Leben zu verhelfen, statt ständig Neues zu kaufen und Altes zu verschrotten. Es macht mich glücklich, wenn ich Menschen dazu inspiriere einen persönlichen Interiorstyle zu entwickeln, in dem sie sich wohl fühlen.

Derzeit ist mein Projekt „Stylepeacock“ nicht wirklich gewinnbringend. Daher arbeite ich auch als freier Autor und texte für Unternehmen, Agenturen und Firmenblogs. Zudem jobbe ich nebenbei. Mein Arbeitstag hat stets mehr als acht Stunden und die Woche mehr als fünf Arbeitstage. Da ich aber weitgehend tue, was mir Freude macht, sind Beruf, Hobby und Freizeit sowieso schwer trennbar. Herausforderungen sind dazu da gemeistert zu werden und Aufgeben entspricht nicht meiner kämpferischen Natur.

Wichtig ist es aber darauf zu achten, dass einem noch Zeit für Freunde, wie auch für das eigene familiäre und soziale Umfeld bleibt. Im Moment hat es für mich Priorität mir eine feste finanzielle Basis zu schaffen, um entspannter meine kreativen Ideen umsetzen zu können. Für meine eigene Wohnung habe ich noch einige Pläne wie ein paar bauliche Maßnahmen. Gerne möchte ich auch vermehrt für Interior-Magazine, Einrichtungsprotale oder Möbelfirmen schreiben. Kooperationen suche ich mit Firmen und Läden, die hochwertige und nachhaltige Produkte anbieten, von denen man lange etwas hat. Ein weiterer Traum ist es, meine Ideen in andere Projekte einfließen zu lassen. Einrichtungsberatung bei Renovierung, Umbau und Möbelkauf ist eine Sparte, die ich mir für die Zukunft auch gut vorstellen kann.

Ich bin erst seit gut einem Jahr in Potsdam und starte gerade wieder erst durch. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht und welche Wege sich mir als nächstes auftun werden.

www.stylepeacock.com

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