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Christiane Wolff, Co-Founderin von Crafty | “Nach meinem ersten Job habe ich nie wieder eine Bewerbung geschrieben.”
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Christiane Wolff, Co-Founderin von Crafty | “Nach meinem ersten Job habe ich nie wieder eine Bewerbung geschrieben.”

Der Lebenslauf von Christiane Wolff ist recht bunt und vielfältig, denn sie war schon immer von Neugier angetrieben. Nach ihrem Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften und einem erfolgreich abgeschlossenen Medien MBA an der Steinbeis Hochschule in Berlin, arbeitete sie zunächst als Jugendschutzbeauftragte bei Premiere (heute Sky). 2012 wechselte sie dann nach vielen Jahren in leitenden Positionen zu Serviceplan, der größten inhabergeführten Agenturgruppe Europas, und verantwortete dort in der Funktion des CCCO (Chief Corporate Communications Officer) den Bereich der Unternehmenskommunikation.

Christiane beschreibt es als großes Glück, dass sie in fast jeder Position eine*n Chef*in hatte, der/die sie sehr selbständig arbeiten ließ. Heute führt sie zusammen mit ihrem Businesspartner Jens Zabel den Handwerkerservice Crafty, der als zuverlässiger Ansprechpartner Handwerksdienstleistungen rund ums Renovieren, Sanieren oder Verschönern des Zuhause aus einer Hand anbietet.

Christiane, du bist schon sehr früh in deiner Karriere in Führungspositionen mit Personalverantwortung gewechselt. Inwieweit hat dich das bis heute geprägt?

Ich war schon als Jugendliche sehr aktiv – beispielsweise beim B.U.N.D – und habe auch damals bereits Teams geleitet. Ich übernehme gerne Verantwortung und habe seit meiner ersten festen Stelle bei Premiere sofort mehrere Mitarbeiter gehabt. Ich habe parallel zum Job eine Ausbildung zum Coach bei Monika Scheddin absolviert, das hat mir dabei auch immer sehr geholfen.

Mir macht es Freude, Menschen von Ideen und Projekten zu begeistern und sie dabei zu begleiten, selbständige und mitdenkende Mitarbeiter zu werden. Das ist natürlich gerade in einem Start-up von großer Relevanz!

Wenn man sich deinen Werdegang anschaut, kommst du als eine sehr risikobereite Persönlichkeit rüber. Woher kommt das und wie verhältst du dich in Situationen, wenn eine Entscheidung dir sichtlich schwer fällt?

Meine Eltern, die selbst sehr mutig waren und in den 60- und 70er Jahren in Pakistan, in den USA, im Kongo und der Elfenbeinküste gelebt haben, haben mich immer in meiner Neugier und meinem Drang, neue Dinge auszuprobieren bestärkt. Und das trägt mich bis heute.

Fürs Entscheidungen treffen gibt es mehrere Hilfen: das Gespräch mit guten Freundinnen und Freunden, eine Runde Schwimmen oder Joggen – am Ende entscheidet bei mir dann aber doch immer der Bauch.

Wie kommt jemand wie du, der lange Jahre in der Kommunikationswelt zuhause war, in die Handwerkerbranche zu Crafty?

Auch hier ist Neugier die Antwort – oder zumindest ein Teil. Nach vielen erfolgreichen Jahren in der Agentur- und Medienwelt und dort im Bereich Kommunikation war ich erst einmal offen für Veränderung. Das Thema Handwerk kam dann aber zufällig in mein Leben – auch wenn es sicher keine Zufälle gibt.

Jens Zabel, den ich im März 2018 bei Freunden kennengelernt habe, hat mich einfach von der Crafty Idee überzeugt. Er hat mir in den darauffolgenden Tagen und Wochen mehr zu seiner Idee und auch zu seinem persönlichen Background erzählt und dann wurde mir schnell klar: Das ist eine großartige Sache und Handwerk ist die Zukunft. Und zwar aus mehreren Gründen:

Einen Handwerkerservice wie Crafty gibt es laut unserer Recherche noch nicht. Plattformen gibt es zwar recht viele auf dem Markt, aber ein Handwerkerunternehmen mit eigenen Mitarbeitern für die wichtigsten Gewerke unter einem Dach ist neu. So soll Crafty in Zukunft – wir sind jetzt in München, Frankfurt und Berlin gestartet – alle relevanten Gewerke wie Klempner, Maler, Elektriker und SKH (Sanitär, Klima, Heizung) aus einer Hand anbieten. Die Leistungen werden für den Kunden – privat oder gewerblich – von unseren Technischen Koordinatoren begleitet und die Qualität sichergestellt. Dazu möchten wir Handwerksbetriebe übernehmen, die keine Nachfolgelösung finden und das Thema Digitalisierung setzen wir mit kompetenten Partnern um und investieren in Start-ups, die digitale Lösungen für die Branche haben. Darüber hinaus schauen wir, dass wir wo es möglich ist, nachhaltig sind. Wir achten bei den Materialen auf nachhaltige Produkte genauso wie auf das Erhalten, statt immer sofort alles neu zu machen.

Gemeinsam mit der Expertise von Jens und meinen Stärken und Kompetenzen ist unser Ziel, Crafty nicht nur zum besten Handwerkerservice Europas aufzubauen, sondern auch als Community zu den Themen Handwerk, Nachhaltigkeit und „Do It Yourself“. Crafty verbindet für mich daher alle Werte, die mir wichtig sind: Netzwerken, Qualität und Nachhaltigkeit.

Naja, und dann habe ich im Juli letzten Jahres bei Serviceplan gekündigt!

Du engagierst dich außerdem nicht nur sehr für Frauennetzwerke, sondern hast auch selbst gleich eines gegründet. Wie kam das und warum dein eigenes, wo es doch schon so viele gibt? Was hat dir gefehlt?

Als ich 1999 alleine nach München kam war ich quasi frisch aus der Uni, neu bei Premiere und kannte genau zwei Menschen in München. Da war die Suche nach Gleichgesinnten aus dem Bereich Medien und Kommunikation groß, um sich auszutauschen. Erst einmal habe ich mir die bestehenden Netzwerke in München angeschaut und darunter gab es einfach kein Branchennetzwerk für Kommunikationsexpertinnen. Dann war ich bei einem VHS Vortrag zum Thema Netzwerken – damals gab es das einfach insgesamt noch nicht so flächen- und branchendeckend wie heute – und im Nachgang und noch am selben Abend habe ich beschlossen: „Das kann ich auch selbst!“ Und das Nettwerk war geboren.

Damals gab es also kein Kommunikationsnetzwerk für Frauen und daher war der Bedarf nach Austausch und gegenseitiger Unterstützung sehr groß. Und so ist mein eigenes Nettwerk relativ rasch gewachsen und hat heute über 1000 Mitglieder in München, Frankfurt und Berlin.

Für mich bedeutet Netzwerken Erfahrungsaustauch, Karrierebooster, Ideenbringer, Horizonterweiterung und natürlich sich gegenseitig zu unterstützen – und das wollte und habe ich mit dem Nettwerk erreicht.

Du bist als Netzwerkerin bekannt und sagst auch von dir selbst, dass du ohne dein Netzwerk nicht dort wärest, wo du heute bist. Welche Türen haben sich durch diesen Fokus für dich in der Vergangenheit schon geöffnet?

Der wichtigste Punkt für mich ist: Ich kann mich auf mein Netzwerk – darunter eben ganz wichtig mein eigenes Nettwerk – immer verlassen. Und das hat mich auch immer darin unterstützt, mutig sein zu können. Neue Dinge zu machen. Denn ich wusste und weiß: Ich habe immer ein Netz aus tollen Menschen, das mir bei allem was ich tue und brauche zur Seite steht.

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In der Vergangenheit habe ich nach meinem ersten Job nie wieder eine Bewerbung geschrieben – alle weiteren Positionen kamen durch Kontakte. Aber auch kleinere Themen wie Kooperationen umsetzen, Locations finden, eine Fotografin für ein Event suchen oder einen Praktikanten – das alles geht viel schneller und einfacher mit einem aktiven Netzwerk.

Gerade jetzt zum Start mit Crafty ist mein Netzwerk unheimlich hilfreich. Über das Netzwerk kamen Mitarbeiter wie meine PR Trainee oder unser erster Schreinermeister zu uns, die ersten Anfragen kamen über persönliche Kontakte rein, unser Logo hat eine Schulfreundin und international renommierte Designerin gemacht und über mein Netzwerk entstand nun auch die Idee, das erste Netzwerk fürs Handwerk zu gründen, das nun im Herbst an den Start geht!

Nun gibt es Netzwerke wie Sand am Meer. Wie finde ich das was zu mir passt?

Netzwerken sollte man wie viele Dinge im Leben strategisch angehen. Auch wenn Netzwerken „nebenbei“ auch ganz viel Spaß macht!

Man braucht daher als allererstes einen Plan: Was möchte ich durchs Netzwerken erreichen? Was ist mein Ziel? Wie viel Zeit kann und will ich investieren. Wie und wie oft pflege ich meine Kontakte virtuell und wie viele Mittagessen pro Woche und welche Netzwerkevents plane ich ein.

Damit sollte man auch nicht erst anfangen, wenn man einen neuen Job sucht – sondern gleich zu Beginn der beruflichen Karriere. Meine persönliche Empfehlung für ein Auswahlkriterium: Menschen fragen, die man toll findet, wo sie sich engagieren. Danach einfach mal ein halbes Jahr die verschiedenen Netzwerkveranstaltungen besuchen, eigene Erfahrungen sammeln, bewerten und sich dann auf ein bis zwei Netzwerke konzentrieren.

Hier noch mal zusammengefasst meine Tipps:

Die Netzwerk Basics

  1. Ziel definieren
  2. Zeitbudget planen
  3. Plattformen, Netzwerke, Konferenzen recherchieren
  4. „Gleichgesinnte“ / Vorbilder fragen
  5. Veranstaltungen „testen“
  6. Je nach Zeitbudget 1-3 Netzwerke aktiv aussuchen
    oder ein eigenes starten!

Der Netzwerk Knigge

  1. Frühzeitig mit dem Netzwerken starten
  2. Geben statt nehmen
  3. Neugierig sein
  4. Fragen stellen
  5. Über den Tellerrand schauen
  6. Selber aktiv werden
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