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Kristine Zeller & Dr. Kati Ernst, Gründerinnen von ooshi | Female Empowerment durch Periodenunterwäsche
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Kristine Zeller & Dr. Kati Ernst, Gründerinnen von ooshi | Female Empowerment durch Periodenunterwäsche

Ursprünglich sollte das Business von Kristine Zeller und Kati Ernst „mooshi“ heißen, ja, auch mit der entsprechenden Assoziation, schließlich stand das Label nicht nur für Periodenunterwäsche, sondern auch für ein Thema, über das heutzutage leider immer noch gerne hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Doch kam schnell die Frage auf, ob das nicht vielleicht trotzdem zu weit gehen würde, bei einem Produkt, das sich ohnehin schon im Tabu-Bereich befindet. Aus „mooshi“ wurde dann mit kleiner Modifikation „ooshi“ und die zwei Gründerinnen verliebten sich immer mehr in diesen tollen Namen. Im Interview mit SWEET SPOT erzählen sie uns mehr über ihre Gründungsgeschichte, ihre Inspiration von Übersee und warum es im ersten Businessjahr keine Gehaltsauszahlung gab.

Was habt ihr beide vor eurer Selbstständigkeit gemacht?

Wir waren beiden in großen Firmen beschäftigt – Kristine war immer im Fashion-Bereich unterwegs, zuletzt hat sie den Einkauf mehrerer Abteilungen bei Zalando geleitet, u.a. die der Damenwäsche. Kati war über zehn Jahre bei der Unternehmensberatung McKinsey und hat hauptsächlich Unternehmen in dem Bereich Apparel, Fashion & Luxury beraten.

Ihr geht mit Female Empowerment nochmals ein Stück weiter und nehmt euch einem sehr intimen Thema an. Wie war die Reaktion zu Beginn, als ihr euer Konzept vorgestellt habt?

Sowohl privat als auch beruflich war die Reaktion erst überrascht und eventuell leicht zweifelnd. Wir waren aber seit dem ersten Tag so von unserer Idee und der Vision die Gesellschaft zu verändern begeistert, dass wir jeden schnell überzeugen konnten. Wir haben eigentlich in unserem persönlichen Umfeld durchweg nur Unterstützung erfahren. Das Thema Geschäftspartner war etwas komplexer, aber die, die mit uns an einem Strang gezogen haben, sind mittlerweile echt ooshi-Fans uns tolle Partner für uns.

Kristine Zeller

Für die Idee von der Periodenunterwäsche habt ihr euch von Vorreitern aus den USA inspirieren lassen. Wie habt ihr euer Alleinstellungsmerkmal gefunden, ohne andere Businesskonzepte zu kopieren oder sogar die Idee zu verwerfen, da es so etwas am Markt schon gab?

haben zu Beginn gar nicht ausgeschlossen, ähnliche Produkte anderer Marken aus dem Ausland nach Deutschland zu bringen, z.B. als Lizenznehmer (ohne zu wissen, ob das überhaupt gehen würde). Allerdings haben unsere ausgiebigen Tests gezeigt, dass sie unseren Vorstellungen nicht wirklich entsprochen hatten, weder von der Kommunikation, als auch der Funktion. Somit fingen wir bei Marke und Produkt an und haben viele Monate gearbeitet bis wir ooshi perfektioniert hatten. Unsere Unterwäsche ist heute als Produkt recht anders, als die anderen – sie ist z.B. als einzige Periodenunterwäsche weltweit vom Hohenstein Institut in ihrer Funktion zertifiziert, fühlt sich dank der besonderen ooshi-Membranen komplett trocken an, wird fair in Europa produziert, nutzt Nano-Partikel-freie Stoffe für die Keimbekämpfung, etc.

Wie können wir uns den Designprozess vorstellen? Sitzt ihr beide zusammen und feilt die Kollektion aus oder holt ihr euch Unterstützung an Bord? Wer übernimmt was?

Wir arbeiten in vielen Themen mit Freelancern zusammen, die uns zum Teil schon weit über ein Jahr begleiten. Gerade bei der Produktentwicklung ist das wichtig, da keine von uns Schnittmuster o.ä. erstellen kann. Typischerweise entwickeln wir Ideen und gehen damit auf unser Netzwerk zu, um erste Lösungsansätze zu finden. Wenn eine theoretische Lösung vorhanden ist, legen unsere Produktentwicklerinnen los, und zaubern an den ersten Prototypen. Bei uns ist Kristine federführend bei dem Thema Produkt und Operations, Kati verantwortet Marketing und Finanzen.

Dr. Kati Ernst

Im Juni 2018 gab es den ersten Prototypen und im August desselben Jahres habt ihr dann alles auf eine Karte gesetzt und eure Jobs gekündigt. Was gab euch eine solche Zuversicht, dass dieses Konzept aufgehen würde?

Alleine die Tatsache, dass es so viele Jahrzehnte keine Innovation in diesem großen Periodenmarkt gegeben hatte, schien uns verrückt. Da musste doch mehr drin stecken als Wegwerfartikel, die auch noch wahnsinnig viele Leute ungemütlich finden! Zudem hat uns die Idee einfach selbst so gepackt, dass wir es an die Frau bringen wollten – wir waren also unsere eigenen größten Cheerleader.

Ihr habt eure Businessidee über Crowdfunding finanziert. Wie war das für euch, eure Idee in die Hände von Gönnern zu legen? Hättet ihr es auch umgesetzt, wenn der Plan nicht aufgegangen wäre?

Wir empfanden das Crowdfunding als einen super Einstieg, denn wir wollten ja nicht nur die Finanzierung, sondern eben auch die Crowd! Denn es geht bei ooshi ja nicht nur um ein Produkt, sondern auch um einen gemeinsam gestalteten gesellschaftlichen Wandel, wenn es um das Enttabuisieren der Periode und weiteres Female Empowerment geht. Wir benötigten das Kapital für die erste Stoffbestellung – und ohne hätten wir einen Kredit o.ä. suchen müssen. Aber der Test, ob Kund*innen auf ooshi anspringen, war mindestens genauso wichtig. Zum Glück ging das ja 1A auf – wir hatten unser Monatsziel von 10.000 € schon nach 10 Stunden geknackt, am Ende kamen fast 50.000 € zusammen. Das war wirklich der Wahnsinn!

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Foto: ooshi

Wie lange hat es gedauert bis euer Business profitabel gelaufen ist?

Wir haben kein externes Kapital aufgenommen, somit mussten wir eigentlich von Beginn an schauen, dass die Firma profitabel läuft – sonst hätten wir unsere Rechnungen nicht zahlen können. Allerdings haben wir uns im ersten Jahr kein Gehalt ausgezahlt und alles immer in neue Stoffbestellungen reinvestiert. Im Juni gab es zum ersten Mal Lohn für uns – das war ein ganz besonderer Moment und macht uns sehr stolz!

Ihr seid beide neben dem Unternehmerdasein auch Mütter. Wie managed ihr eure Zeit um allem gerecht zu werden?

Wir gehen beide sehr bewusst mit unserer Zeit um und entscheiden jeden Tag, wofür wir jede Stunde einsetzen. Jede Person hat sicherlich eine andere Vorstellung davon, was in ihren Augen da eine gerechte Aufteilung ist. Wir freuen uns aber, dass wir örtlich und zeitlich flexibel arbeiten können und somit viel Zeit mit unseren Kindern verbringen – aber auch, dass unsere Partner sich zu 50 % an den Aufgaben rund um Familie und Haushalt beteiligen und wir ein breites Unterstützer*innennetzwerk entwickelt haben, das uns bei allen möglichen Aufgaben unterstützt. It takes a village…

Achtsamkeit ist für euch beide ein großes Thema. Wie bindet ihr dies in euer Privatleben ein und wie setzt ihr das in eurem Business um?

Wir glauben es ist ganz wichtig, die glücklichen Momente im Hier und Jetzt zu finden und nicht darauf zu warten, so nach dem Motto „wenn ich erst xyz erreicht habe, dann…“. Wir sind jeden Tag dankbar für die tolle Reise, auf die wir uns mit ooshi begeben haben. Kristine ist auch Meditation sehr wichtig und sie meditiert jeden Morgen circa 30 Minuten lang. Dafür benutzt sie verschiedene Apps wie Headspace oder Insight Timer.

www.ooshi-berlin.de

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