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Julia Böckh and Svenja Malchow, Gründerinnen von MyFamily Au-Pair | „Je weniger verbissen man den Erfolg verfolgt, desto selbstverständlicher kommt er.“

Julia Böckh and Svenja Malchow, Gründerinnen von MyFamily Au-Pair | „Je weniger verbissen man den Erfolg verfolgt, desto selbstverständlicher kommt er.“

Julia Böckh and Svenja Malchow, die Gründerinnen von MyFamily Au Pair, waren vor der Gründung ihrer eigenen Au Pair-Agentur beide beruflich so sehr eingespannt, dass sie auf die Unterstützung von Au Pairs angewiesen waren. Das Problem: Die von ihnen beauftragte Agentur bot bei Problemen jedoch keine Unterstützung. Auch wurden sie öfters von Freunden ihrer Au Pairs gefragt, ob sie keine gute Familie hätten, wo Sie hinkönnten. Irgendwann dachten sich die beiden, dass sie das besser machen könnten und gründeten kurzerhand 2015 ihre eigene Agentur mit dem Ziel, die Dinge anders und richtig zu machen, die falsch gelaufen sind (langwierige Prozesse, händisch ausgefüllte Profile, keine Beratung, kein persönlicher Kontakt). Im Interview erzählen uns die beiden, was hinter ihrer Mission steckt.

Was habt ihr vor eurer Selbstständigkeit gemacht? Woher kennt ihr euch?

Kennengelernt haben wir uns über unsere Männer. Die Chemie zwischen uns stimmte sofort. Wir sind uns sehr ähnlich in unserer Einstellung zur Familie, Arbeit und dem Ehrgeiz, etwas auf die Beine zu stellen, das Bedeutung hat und anderen in ihrem Leben hilft.

Julia ist gelernte Goldschmiedin mit eigenem, seit 2003 sehr gut laufenden Schmuckgeschäft in Memmingen. Ein Ladengeschäft mit Mitarbeitern zu führen braucht sehr viel Menschenkenntnis und Feingefühl. Svenja ist freiberufliche SAP Beraterin in München, mit Projekterfahrung bei diversen Großkunden. Die IT Beratung braucht eine schnelle Auffassungsgabe und natürlich Interesse für technisches. Wir ergänzen uns somit perfekt.

Hattet ihr beide unternehmerische Erfahrung und wie vorbereitet seid ihr in die Gründung gegangen?

Wir sind Problemlöser und so dachten wir uns, dass wir das besser können. Wir haben 2015 die Agentur gegründet und erst mal zum Ausländerrecht schlau gelesen, eine Webseite gebaut, Prozesse entwickelt. Natürlich haben wir das alles neben unseren existierenden Jobs gemacht. Die Agentur ist zu unserem „Vollzeit Nebenerwerb“ geworden. Da wir beide ja schon selbständig tätig sind war die Gestaltung für uns kein Problem.

Simpel gefragt: Wie baut man eine Au-Pair Agentur auf? Wo findet ihr eure Au-Pairs und wie gewinnt man das Vertrauen auf beiden Seiten (Au-Pair aber auch der Familie), gegeben, dass man ja gerade zu Beginn noch keine Kunden vorweisen kann?

Der Papierkram war bei der Gründung überschaubar und schnell erledigt. Die Webseite und auch die Prozessentwicklung waren für uns kein Problem. Ausländer- und Arbeitsrecht sind dafür kompliziert, teilweise Auslegungs- und Ermessenssache. Unsere Au Pairs finden wir meistens über Partneragenturen vor Ort. Mit den meisten pflegen wir schon lange Kontakte und können uns so auf sie verlassen. An die Gasteltern zu kommen war am Anfang etwas schwieriger. Aber auch da konnten wir feststellen, je professioneller man auftritt, um so schneller kommen die Kunden zu einem. Gerade lange Gespräche im Vorfeld, sowohl mit Au Pairs, als auch mit Gasteltern, helfen das Vertrauen zu erlangen und machen es uns leichter den perfekten Match zu bekommen.

Credit: MyFamily Au Pair

Neben eurer Agentur habt ihr beide ja auch noch eigene Businesses am Laufen. Wie teilt ihr euch das ein neben Familie? Habt ihr geregelte Arbeitszeiten, die nur myfamilyaupair gewidmet sind?

Bei uns ist es so, dass jeder seine speziellen Stärken hat. Svenja ist ein Ass in IT-Sachen. Julia liebt dafür die Social Media Kanäle. So bringt jeder das ein, was er am besten kann. Für die Agentur haben wir keine festen Arbeitszeiten. Das würde bei unseren Kunden. und auch den Au Pairs, nicht funktionieren. Da wir in vielen Ländern eine Zeitverschiebung haben, müssen wir immer schauen, wann wir mit den Kandidaten überhaupt ein Interview machen können.

Genauso ist es mit den Familien. Die einen arbeiten abends und haben so tagsüber Zeit, die anderen sind froh, wenn Sie telefonieren können wenn die Kinder im Bett sind.

Da Svenja der Morgenmensch und Julia mehr der Nachtmensch ist ergänzt sich das sehr gut. Des Weiteren ist es bei uns auch so, dass wir immer wieder schauen müssen, was wir auch in unseren anderen Geschäften zu erledigen haben. Da kann es dann schon auch mal sein das einer mehr Zeit in die Agentur steckt, als der andere.

Ihr nehmt den Background-Check eurer AuPairs sehr ernst, um den Familien wirklich das zu bieten, was sie erwarten. Wieviel Zeit und Aufwand steckt hier und wie könnt ihr das gewährleisten, gegeben, dass die AuPairs ja im Ausland sind?

Wir versuchen so viel wie möglich über die Au Pairs in unseren Interviews herauszufinden. Auch unsere Partneragenturen vor Ort sind ein großer Vorteil, dass sie die Kandidaten persönlich kennen. Durch die langjährige Zusammenarbeit wissen diese Agenturen mittlerweile auch ganz gut was wir suchen und worauf wir Wert legen. Leider passiert es auch uns noch ab und zu, dass das Au Pair in Deutschland plötzlich ganz anders ist, als in den Interviews.

Ihr seid nun beide Working Moms und habt euch mit euren Businesses eigene Arbeitsbedingungen geschaffen, aber auch die vollkommene finanzielle und emotionale Verantwortung, das Unternehmen zum Erfolg zu führen. Würdet ihr heute sagen, dass ihr eine Gründung jederzeit vorziehen würdet – in guten wie in schlechten Zeiten?

Es hilft, wenn man finanziell nicht sofort auf den Erfolg angewiesen ist. Wir haben die Möglichkeit, langsam zu wachsen. Das gibt einem die Zeit, Prozesse zu optimieren und eigene Schwachpunkte zu identifizieren und auszubessern. Je weniger verbissen man den Erfolg verfolgt, desto selbstverständlicher kommt er. Und ja, ich denke wir beide würden es zu jeder Zeit wieder so machen. Wir haben durch die Agentur in vielen Bereichen einiges dazugelernt, was wir nun auch in anderen Businessebereichen anwenden können.

Als Selbstständige ist man ja zu größten Teilen selbst und ständig. Wo zieht ihr beiden die Grenze, was ist für euch vollkommen legitim, und was wollt ihr auch nicht anders?

Da wir beide bereits selbstständig gearbeitet haben, waren wir es gewöhnt, selbst und ständig zu arbeiten. Während unsere Männer den Abend entspannt genießen, sitzen wir mit den Laptops auf dem Schoss daneben und arbeiten. Auch unsere Kinder sind es gewöhnt, dass die Mamis immer und überall arbeiten. Wir arbeiten auch im Urlaub, denn der Luxus der räumlichen Ungebundenheit ist für uns viel Wert wir haben alles darauf ausgelegt.

Zu guter Letzt: Was war der beste Gründer-Tipp, den ihr jemals bekommen habt?

Wenn Arbeit auch Vergnügen ist, dann kann man auch bei der Arbeit entspannen. Dann ist das Gründen auch kein Stress, sondern bringt viel Spaß mit sich und mit dem Spaß kommt auch die Energie, diese Zeit ohne Burnout zu überstehen.

www.myfamilyaupair.com
@my_familyaupair

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