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Julia Kopper, Gründerin von muxmäuschenwild | „Selbst als es muxmäuschenwild schon gab, haben wir uns lange noch geweigert es Agentur zu nennen.“

Julia Kopper, Gründerin von muxmäuschenwild | „Selbst als es muxmäuschenwild schon gab, haben wir uns lange noch geweigert es Agentur zu nennen.“

Als wir Julia Kopper fragen, ob es schon immer ihr Plan war, eine PR-Agentur zu führen, kann sie darauf nur ganz klar antworten: „Auf gar keinen Fall!“ Selbst als es muxmäuschenwild schon gab, hatte sie sich lange noch geweigert es eine Agentur zu nennen. Stattdessen sprach sie immer von einem Kreativnetzwerk. „Agentur klingt immer nach schwerfälligen Prozessen und einem großen Kostenapparat – ich aber hatte Lust in einem kleinen, agilen Team tolle Projekte umzusetzen und inspirierende Marken zu unterstützen. Das ist bis heute so geblieben.“ Im Interview haben wir mit Julia über ihre Erfahrungen in der Gründerszene und ihre Ambitionen als Unternehmerin gesprochen.

Liebe Julia, nun gibt es PR-Agenturen wie Sand am Meer. Wie hebst du mit deinem Team dein Business ab? Wo habt ihr euren USP geschaffen? 

Nun, wir sind ja im Grunde keine reine PR-Agentur. Wir sind eine Kommunikationsagentur und arbeiten hauptsächlich in den Bereichen PR, Brand Creation und Brand Activation mit Schwerpunkt Event. Gerade der markenstrategische Hintergrund unterscheidet uns stark von anderen PR-Agenturen – zumindest von denen, die ich so kenne. Zusätzlich zu unseren Kundenaufgaben setzen wir immer wieder auch eigene Projekte um, wie das Golden Dinner oder unser wöchentliches Email-Magazin – ein redaktionell geführter und liebevoll kuratierter Empfehlungs-Newsletter für Lifestyle-Themen und urbanes Leben.

Foto: Robert Felgentreu

Was hast du vor der Gründung von muxmäuschenwild gemacht? 

Viel zu früh bin ich zum TV und Film gekommen, habe als Redakteurin und in Filmproduktionen gearbeitet und sehr viel Verantwortung übernommen. Es hat irre Spaß gemacht und klar, die vielen Jobs im Ausland waren toll mit Anfang zwanzig – aber ich wusste, so kann mein Leben nicht für immer aussehen. Darum habe ich mich mit Mitte zwanzig entschieden schon einen Cut zu machen, mich auf mein zweites Studienstandbein Marketing zu konzentrieren und in Berlin mein Zuhause zu finden.

Als PR-Expertin zu arbeiten, stellen wir uns so vor, dass du immer und überall deine Augen nach Trends offenhalten musst. Das stellen wir uns sehr anstrengend vor… Liegen wir hier richtig? 

In erster Linie bin ich ja Geschäftsführerin eines Unternehmens mit rund 20 Mitarbeitern. Und ja, das kann anstrengend sein – vor allem die relativ zähen Aufgaben, die eine Unternehmensführung mit sich bringt. Aber genauso viele spannende Aufgaben erwarten mich auch jeden Tag im Büro: der Austausch mit tollen, inspirierenden Kunden und immer wieder über neue, erfrischende Ideen nachdenken und mich einbringen zu dürfen, gibt mir wahnsinnig viel Energie. Und natürlich habe ich eine große Affinität zu den Themenbereichen, mit denen wir uns hauptsächlich beschäftigen – wie nachhaltiges Leben, Gesellschaftsentwicklung, Contemporary Culture.

Was war bisher das kreativste und mit Abstand das beste Projekt, dass du für einen Kunden oder für deine eigene Agentur umsetzen durftest?

Wenn ich ehrlich bin: wir haben in den letzten sieben Jahren schon so viele Projekte umgesetzt und für so viele tolle Brands arbeiten dürfen, dass mir manchmal selbst der Kopf schwirrt, wenn ich davon erzähle. Und ich kann da kaum ein bestimmtes Projekt hervorheben, denn jedes Jahr gibt es immer wieder neue und besondere Herausforderungen und Highlight-Augenblicke, die wir im Team feiern. Was aber mit Sicherheit das verrückteste Projekt war, welches ich von A bis Z gestemmt habe, war das erste Golden Dinner im Jahr 2012. Ich hatte die Möglichkeit einen völlig vergessenen Theatersaal in Berlin Mitte wieder zum Leben zu erwecken, und habe zehn Tage lang Secret-Dinner veranstaltet, mit Kunst, Licht, Musik und großartigem Essen. Wir waren jeden Abend ausgebucht und spätestens am dritten Tag “Talk of Town”.

Im Vergleich zu klassischen Pop-Up-Restaurants haben wir in einem Mini-Team von vier Leuten einfach alles gestemmt – sogar den Service jeden Abend. So sind wirklich unvergessliche, sehr persönliche Abende entstanden – und letztlich ist aus diesem Projekt dann auch muxmäuschenwild entstanden. Denn nach den zehn Tagen haben sich immer mehr Menschen gemeldet und nachgefragt, ob wir solch tolle Events nicht auch für Kunden veranstalten könnten – oder ob wir so gute PR nicht auch für sie machen können.

Du bist in Berlin, einer der StartUp-Hotspots, zuhause. Inwiefern profitiert hier deine Ambition, deine Kreativität und dein Drive? 

Als wir mit muxmäuschenwild gestartet sind, habe ich immer gesagt: In Berlin gibt es so viele tolle kreative Leute, die wilde Ideen haben, aber viele wissen einfach nicht, wie sie diese umsetzen können. Denen möchte ich unter die Arme greifen und Projekte zum Fliegen bringen. Genauso ist es bis heute geblieben. Berlin inspiriert mich: die Vielfalt der Menschen hier, die vielen kleinen kulturellen Projekte, die man in jedem Hinterhof entdecken kann, aber auch die neuen Ideen, die immer wieder von StartUps in Business Cases übersetzt werden. Es macht Spaß an solchen Ideen und Trends mitzuwirken – auch wenn wir inzwischen genauso oft mit sehr erfahrenen Marken oder sogar großen Konzernen arbeiten.

Als Geschäftsführerin hat man ja immer mehrere Hüte auf. Welcher Teil deiner Arbeit liegt dir am meisten, welchen lässt du dir nicht nehmen und welchen bist du froh immer mal wieder abgeben zu dürfen? 

Natürlich gibt es anstrengende und langweilige Aufgaben, aber im Großen und Ganzen liebe ich es, die Fäden in den Händen zu halten, das Team weiterzuentwickeln und sehr eng in die Kundenprojekte involviert zu sein. Ich bin vor 1,5 Jahren Mutter geworden und seitdem habe ich mit Theresa Vorberg eine Kollegin an meiner Seite, mit der ich mir im Jobsharing-Modell die Geschäftsführung aufteile. Wir haben da intern einen guten Rhythmus gefunden, sind aber beide oft Hand-in-Hand bei Projekten dabei. 

Die Anfänge als Gründerin sind meistens herausfordernd und mit viel Stress belegt. Wofür warst du dir anfangs nicht zu schade um dein Business wachsen zu sehen?

Wie eben schon erwähnt: ich habe wirklich ALLES selbst gemacht. Sogar Teller waschen bei unseren Secret-Dinner-Abenden. Als Gründerin bist du einfach für jedes Detail verantwortlich – auch, dass jederzeit Klopapier da ist. Ich weiß noch genau, wie mir manchmal der Kopf gebrummt hat von diesen „Kleinigkeiten“. Und bin heute sehr froh sagen zu können, dass ich es geschafft habe, mit einigen Bereichen des Officealltags nicht mehr direkt zu tun zu haben – einfach weil ich überzeugt davon bin, dass wir uns unsere Brainpower einteilen müssen und lernen müssen, gut zu delegieren.

Als Unternehmerinnen tendieren wir ja sehr stark dazu immer selbst und ständig zu sein. Hast du den Dreh mittlerweile raus nach Feierabend abzuschalten?

Ich gebe zu: die ersten Jahre hatte ich quasi eine 7-Tage-Woche. Aber ich bin sehr stolz darauf sagen zu können, dass ich es vor zwei oder drei Jahren geschafft habe, wirklich abends und am Wochenende den Laptop ausgeschaltet zu lassen – und es sogar irgendwann hingekriegt habe nur noch 4 Tage pro Woche im Büro präsent zu sein. Dafür ist einfach ein gutes Zeitmanagement nötig. Und ein gutes Team, auf das man sich zu einhundert Prozent verlassen kann. Seit ich Mama bin, ist es zeitlich natürlich wieder herausfordernder geworden, aber ich versuche mir feste Zeiten einzuteilen und bin eben einfach nicht mehr rund um die Uhr erreichbar. Und es ist schön zu merken, dass die meisten Emails eben doch auch 24 Stunden Zeit haben um beantwortet zu werden…

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