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Lena Petersen, Künstlerin | „Es gibt keinen Plan… Es gibt nur weitere Puzzleteile, den Flow und Situationen auf die ich reagiere.“

Lena Petersen, Künstlerin | „Es gibt keinen Plan… Es gibt nur weitere Puzzleteile, den Flow und Situationen auf die ich reagiere.“

Lena Petersen hat die Kunst im Blut und sagt von sich selbst, dass sie die Kunst nie losgelassen hat, auch dann nicht, als sie ihr erstmals den Rücken kehrte und sich als MakeUp-Artistin in der Fashionszene einen Namen machte. Die alleinerziehende Mama beschreibt jeden Teil ihres Werdeganges als ein erforderliches Puzzleteil für ihren heutigen Erfolg. Jeder einzelne Schritt war aus Liebe und Leidenschaft und fühlte sich richtig an. Wäre sie diese Schritte nicht gegangen, wäre sie heute nicht da, wo sie jetzt ist. Im Interview gibt sie uns einen Einblick, was Kunst für sie bedeutet und welchen Stellenwert Spiritualität dabei für sie hat. 

Du hattest schon von Kindheitstagen eine Leidenschaft für die Kunst, bist aber erst über Umwege wieder darauf zurückgekommen. Gib uns bitte einen kleinen Einblick in deinen Werdegang. 

Eigentlich würde ich meinen Weg nicht als Umweg bezeichnen. Ich denke, das Leben besteht aus vielen kleinen Puzzleteilen, und wenn eines fehlen würde, dann ergibt es auch nicht das Gesamtbild. 

Als ich mit 25 Jahren in Australien gelebt habe, habe ich einmal ein Lied geschrieben mit dem Satz: „Taking the fast road successful in a box ring life, or taking the byroads with more fun but danger beside…“ so könnte man es beschreiben. Die Autobahn zu nehmen und nichts von der Welt zu sehen, wäre nicht meine Lösung gewesen. Es sind die kleinen Wege, die das Leben bunt und spannend machen. Im Nachhinein könnte man sagen, ich habe zuvor alles erlernt, damit ich nun mit der Kunst erfolgreich werden kann. Meine persönliche Universe-ity. 

Was hat dich wieder zur Kunst zurückgezogen?

Die Kunst hat mich nie verlassen. Schon immer sehe ich in Bildern. Ich gehe durch das Leben und sehe immer die Schönheit, Szenen, Ausschnitte, Kompositionen. Kunst ist meiner Meinung nach Fühlen. Ich erfühle die Bilder und sie sind immer in meinem Kopf oder in meinem Herzen. Ob ich sie dann auf die Wand oder Leinwand bringe, ist ein Schritt des Sichtbarwerdens. Das war der eigentliche Prozess. 

Die Kunst selbst hat mich immer begleitet, aber ich habe lange Zeit nicht den Zeitpunkt gesehen und gefühlt, damit auch Sichtbar zu werden. Das ist, denke ich, bei vielen auch die grösste Hürde. 

Als ich mein erstes Video veröffentlicht habe, zeigte das für mich ganz klar meine Transformation zur sichtbaren Kunst auf. Ich habe mich danach fast einen ganzen Tag unter der Bettdecke versteckt, weil das so ein unheimlicher Schritt für mich war. Eigentlich war das nur eine Frage von der Bedeutung zur richtigen Zeit und dass ich in dem Moment meine Bilder aus mir herausgeholt habe. 

Ein Zitat von Mark Twain (zumindest dachte ich das immer), welches ich an einem Tag voller Schmerz und Tränen auf einem Bild entdeckt hatte, sagte: „Twenty years from now you will be more disappointed by the things that you didn’t do than by the ones you did do. So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails. Explore. Dream. Discover… Most people die with the music still in them.“ 

Die Meisten Menschen sterben mit der Musik, ohne sie gespielt zu haben, so wie meine Bilder, die mich immer begleiten, ohne auf die Leinwand zu kommen. Ich habe mir dieses Bild mit diesem Zitat von meinem letzten Geld damals gekauft und es viele Tage lang angeschaut… bis ich dann den ersten Pinselstrich nach 10 Jahren gemacht habe.

Du malst deine Kunst auf sehr große Flächen, wie zum Beispiel die Wände eines Restaurants. Wonach entscheidest du, was du malst und wieviel Freiraum geben dir deine Kunden? Sehen sie vorher einen Entwurf oder überrascht du sie einfach mit dem Endergebnis?

Bevor ich den Raum sehe, spreche ich als erstes mit dem Kunden und erfühle, was er sich wünscht. Dann kommen mir schon die ersten Bilder. Wenn ich dann in dem Raum bin, kommt noch dazu, dass ich sehe und fühle, was der Raum braucht. Da die Kunden meinen Stil kennen, vertrauen sie mir meistens schon, ohne zuvor eine Illustration zu sehen. Ganz selten, wenn ich Unsicherheiten spüre, male ich ihnen meine Vision vor, halte sie dann aber noch etwas offen, denn ich bin nur richtig gut, wenn ich an der Wand meinen Gefühlen und den inneren Bildern folge. Würde ich 1:1 das malen, was ich mir schon vorher erdacht habe, würde ich mich selbst um den letzten Funken Zauber berauben.

Hast du irgendwo effektiv gelernt wie man malt, oder hast du in Eigeninitiative deinen Stil gefunden und dich weiterentwickelt?

Ich habe mein ganzen Leben lang mein Auge trainiert und gelernt, darauf zu Vertrauen mich in den Geist der Zeit zu klinken. Ich habe unter Anderem von vielen großen Fotografen gelernt, als ich in der Fashionbranche gearbeitet und von den grandiosen Creative Directors, die ich in der Werbebranche auf Foto- und Filmsets kennengelernt habe. Von den unglaublichen Persönlichkeiten, die ich geschminkt habe – ob nun Sänger, Schauspieler oder Politiker. Von den Bühnenmalern in der Oper, von meinem Kind und von den vielen Reisen, auf denen ich immer aufmerksam die unterschiedlichsten Künste in mich eingesogen habe. Die Idee, nur von einem Lehrmeister oder in einer Schule zu lernen, entspricht mir nicht. Deshalb nenne ich die Zeit vor meinem Malen ja auch „Universe-ity“. 

Dein Erfolg spricht so gegen alles, was man der „Brotkunst“ Malen hinterhersagt. Was denkst du, woran es liegt, dass du mit deiner Leidenschaft so erfolgreich werden konntest?

Ich vermute es liegt daran, dass ich in der Welt gelernt habe, wie ich alle Puzzleteile verbinde. Vielleicht auch, weil ich das Handwerk ebenso ehre, wie die Kunst, und ich mir nicht so viele Gedanken dazu mache, ob ich ein Kunsthandwerk aus oder über Kunst kreiere. Viele Gemälde der Neuzeit sind rein aus dem Kopf entstanden. Hinter jedem Gemälde muss eine Intention liegen, sonst ist es keine Kunst. Ich male aus dem Herzen und wenn ich damit auch nur ein Herz erreiche, ist es für mich Intention genug. Ich denke, viele Menschen spüren die andere Energie, die hinter dem steckt, was ich male. Sie müssen nicht nachdenken, um es zu verstehen. Es darf einfach nur sein. Einfach nur Freude schenken, ein kleines Lächeln, ein Gefühl von Magie, eine Verbindung zur Natur und Mutter Erde… was auch immer es möchte.

Credit: Lena Petersen

Malst du effektiv jeden Tag nach Arbeitszeiten oder eher inspiriert durch den Moment? 

Ich habe einmal versucht nach Arbeitszeiten zu malen, aber das ist nicht mein Konzept. Es sind eigentlich auch nicht wirklich Momente, die mich inspirieren. Eigentlich habe ich meine Bilder ja immer bei mir im Kopf und dann möchten sie irgendwann auf die Welt kommen. Es ist wie eine Geburt. Das gilt besonders für die Leinwände, die ich male. Die Wandgemälde haben ja einen bestimmten Termin, den ich mit dem Kunde festlege. Da baut sich das anders auf. Da entwickelt sich das Bild in der Zeit davor in mir und in dem Moment an der Wand, darf es dann endlich rauskommen. Wie ein Feuerwerk …

Zu welchem Teil bist du noch Künstlerin und agierst in deiner „Bubble“ und zu welchem Teil bist du Unternehmerin und richtest dich nach Umsatz und Verkauf?

Da ich sowohl die Handwerkerin, sowie auch die Künstlerin in mir gleichermassen ehre, und auch das Handwerken und dem Künstlern den gleichen Respekt entgegenbringe, würde ich da gar nicht so eine Linie zwischen meinem Handeln und dem Energieausgleich für mein Handeln ziehen. Ich trage natürlich all meine Puzzleteile immer in mir, wie natürlich auch die vielen Jahre in der Werbe-und Fashionwelt. Ich gebe etwas in die Welt und bekomme dafür auch etwas zurück. Und natürlich spielen all meine Erfahrungen auch in meinen Entscheidungen, die ich Fälle, eine Rolle. Wenn ich male, bin ich immer in meiner Verbindung, in meinen Bildern, in meiner Bubble und meinem Flow… Alles drum herum mache ich aber ebenso Intuitiv, aber eben als Summe von meinem erlernten und meinen Erfahrungen. Ich bin ja eine One-Woman Show!

Was war dein Plan B, falls dein Plan mit der Kunst nicht auf Dauer tragbar gewesen wäre?

Es gibt keinen Plan… Es gibt nur weitere Puzzleteile, die, bis ich sterbe, dazukommen werden. Es gibt den Flow und es gibt Situationen auf die ich reagiere. Es gibt Menschen auf die ich reagiere, wie zum Beispiel die Bedürfnisse meines Kindes. Wenn es eine Zeit braucht, in der ich mit etwas anderem mein Geld verdiene, als mit der Kunst, dann bleiben die Bilder ja dennoch in mir, oder ich male und verdiene mit etwas anderem mein Geld. Oder es kommt ein unerwarteter Mentor in mein Leben, der mir einen anderen Zauber zeigt. Gerade sind wir zum Beispiel in einer Pandemie. So etwas kann keiner planen und es würde nicht meiner Seele entsprechen, dafür nicht auch Lösungen zu finden, die immer mit dem Flow gehen. 

Credit: Lena Petersen

Was war bisher dein spannendstes Projekt und vielleicht auch die größte Herausforderung? 

Ich hatte zwei grosse Sprünge ins kalte Wasser, die ich machen musste, um gerade hier zu sein. Zum Einen ist das die erste grosse Wand, die ich bemalt habe. Ich hatte gerade mein erstes Wandgemälde fertig, das ich zuhause in meinem Wohnzimmer auf die Wand gemalt hatte, auf meinem damals ganz neuen Instagram Account gepostet, als mich Anita Tillman anrief, die Chefin der Premium und Seek, und eine der wichtigsten Personen der Berlin Fashion Week. Sie fragte mich, ob ich das gleiche Motiv, für das ich bestimmt zwei Wochen gebraucht habe, und das auf einer Grösse von circa zwei bis drei Metern, auch in fünf Tagen Live auf eine 30 x 5 Meter Wand malen kann. Ich hatte keine Ahnung, ob ich das konnte. 

Ich überlegte kurz und fragte mich, ob ich dabei sterben konnte. Die Antwort war ja, denn fünf Meter sind sehr hoch. Die zweite Frage an meine Seele war, ob es mir das Wert sei, dabei zu sterben. Die Antwort war ebenfalls ja, denn welch grosse und schöne Chance war das? Also habe ich zugesagt. Die ersten Striche auf dieser riesigen Wand waren wirklich aufregend und auch eine grosse Herausforderung. Aber schon nach ein paar Pflanzen auf der weissen Wand war ich in meinem Flow und voller Vertrauen.

Der zweite Sprung war, als ich in der Börse von Israel malen durfte. Ich war noch nie in Israel und wusste nicht, was mich erwartete. Ich war der erste Mensch, der Nachts in der Börse alleine sein durfte, um zu malen; unten die Männer mit den Maschinenpistolen vor dem Eingang. Das war schon spannend. Ich liebe jedoch genau solche Abenteuer und Herausforderungen.

Hast du deinen Traumberuf gefunden oder gibt es noch Potenzial nach oben? 

Das Malen erfüllt mich wirklich sehr! Es ist für mich auch ein spiritueller Prozess, da ich dabei wirklich angebunden und im Vertrauen bin. Es gibt aber noch einige andere Formen und Rituale, wie ich meine Spiritualität lebe. Wie zum Beispiel Lichtatmung, Woman Circle, Singen, Musik. Gerade habe ich meine erste Schamanische Trommel gebaut. Ich kann mir auch vorstellen, dass ich neben dem Malen auch dies weitergeben würde. Wir werden es sehen. Ich bin und bleibe offen, höre auf mein Herz, gehe mit dem Flow und freue mich auf alles was noch kommt!

@lenapetersen.de

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