Now Reading
Sandra Roggow, Gründerin von Kitchennerds | „Es ist eine ewige Lernreise und wenn man meint, man wäre schon mit allem perfekt ausgestattet, denke ich, dass man sich da schon was vormachen würde.“

Sandra Roggow, Gründerin von Kitchennerds | „Es ist eine ewige Lernreise und wenn man meint, man wäre schon mit allem perfekt ausgestattet, denke ich, dass man sich da schon was vormachen würde.“

Die ersten Berührungspunkte mit Entrepreneurship bekam Sandra Roggow, die Gründerin der Kitchennerds, durch ihren Opa, der damals schon selbst mit einem Fuhrbetrieb selbstständig war.  Einige Zeit später konnte sie auch durch ihren Lebensgefährten viel für ihr Business dazulernen, der schon lange vor ihr sich mit seinem eigenen Unternehmen selbstständig gemacht hatte. Heute führt Sandra mit den Kitchennerds eine Plattform, die Profiköche für die eigenen vier Wände vermittelt. Die Kunden sollen sich mit ihren Gästen zu Hause wie im Restaurant verwöhnt fühlen und den Abend als Gastgeber dabei selbst genießen dürfen. Bis auf die Getränke brauchen sie sich dabei um nichts zu kümmern; den Einkauf, das Kochen und die Endreinigung der Küche übernehmen die Köche. Wir haben mit Sandra über die Idee der Kitchennerds gesprochen und wie sie sich heute selbst auch als zweite Vorstandsvorsitzende mit den Digital Media Women für Female Entrepreneurship engagiert.

Was hast du vor deiner Selbstständigkeit gemacht?

Direkt nach meiner Ausbildung zur Werbekauffrau habe ich abends neben dem Job studiert und bin seit 2006 Kommunikationswirtin. Bis 2005 habe ich in der Werbebranche gearbeitet, bis ich die Seite gewechselt habe und als Interim im Marketing und Produktmanagement verschiedener Hamburger Unternehmen tätig war.

Welches Ziel verfolgst du mit Kitchennerds und was war der der Trigger, der dieses Konzept ins Leben gerufen hat?

Mit Kitchennerds möchte ich den Kunden eine gesunde und nachhaltige Küche, zubereitet durch eine Profiköchin oder einen Profikoch, in den eigenen vier Wänden näherbringen.

Auf die Idee, eine Plattform wie Kitchennerds zu schaffen, kam ich durch meine letzten Jobs im Marketing, aber auch durch meine nebenberufliche Tätigkeit als Qype City Patin. Im Hauptjob habe ich nach Köchen für zu Hause recherchiert und fand es sehr schwer, einen guten Überblick im Netz zu bekommen, welcher Koch wirklich aus meiner Stadt kommt, der sich und seine Kochkünste dort anbot und zur Kontaktaufnahme eine Handynummer, aber keine Ortsangabe, anbot. Ich fragte mich, dabei „Kann ich da denn überhaupt jetzt anrufen, ohne ihn bei der Arbeit zu stören?“.

Meistens vermisste ich eine Angabe, was der Koch überhaupt kochen mag, wo sein Schwerpunkt liegt und ob seine Speisen überhaupt zu unseren Vorstellungen passen, so auch eine Preisangabe.

„Preis auf Anfrage“ verunsichert immer gerne, wenn man keine genaueren Vorstellungen bekommt, was wie viel wohl kosten würde. Auch war es mir wichtig, einen genaueren Einblick zu bekommen, was die Köchin oder der Koch an sich für ein Typ ist. Die Sympathie muss also auch neben dem guten Handwerk stimmen. Man bucht sich schließlich nicht jeden Tag einen Koch nach Hause und dann möchte man sich an so einem besonderen Abend auch insgesamt wohl fühlen mit den Menschen, die einen umgeben.

Als Qype City Patin in Hamburg hatte ich auch einige Kochkurse besucht und dabei sehr viele Menschen kennengelernt, die guten Genuss zu schätzen wissen und durfte so die Zielgruppe etwas näher kennen lernen. Naja, und da ich mich selbst auch gerne gut bekochen lasse, habe ich aus Kundenperspektive für mich und so auch für andere eine Lösung geschaffen, die meine oben genannten Fragen beantworten sollten.

Credit: Mirja Glatz Fotografie

Heißt das, dass du auch selbst als Köchin am Herd stehst oder siehst du deine Aufgabe als Connector?

Ich bin keine Köchin (habe den Beruf auch nie erlernt) und trete mit der Plattform nur als Vermittler auf, der die Köche vermarktet und für diese das Rechnungssystem übernimmt, was nicht unbedingt das Lieblingshobby der Köche ist. Auch helfe ich über die Plattform im Notfall eine Krankheitsvertretung für die Köche zu organisieren (was bisher zum Glück nur max. einmal pro Jahr vorkommt), damit das Event für die Kunden nicht ins Wasser fällt und sie ein wunderschönes Dinner oder einen tollen Kochkurs nach Hause bekommen.

Ich selbst koche zu Hause äußerst selten. Aber ich muss zugeben, dass ich durch die Köche selbst schon deutlich besser kochen gelernt habe. Ich koche im Schnitt nur alle 3 Monate für meinen Partner, Freunde oder Familie. Inspiration bieten die Köche viel und so bereite ich in den seltenen Momenten, wenn ich selbst koche, auch gerne ein 3-Gang Menü zu. Erstaunlicher Weise gelingt mir das dann auch immer sehr gut. Ohne die Köche hätte ich diese Koch-Skills für den privaten Hausgebrauch wohl nie so gut erlangt. Das Fleisch ist meistens auf dem Punkt und Soßen kann ich auch mittlerweile selbst in guter Konsistenz, sehr gerne mit Rotwein-Reduktion und Bratensaft zubereiten – Disziplinen, die mit am schwierigsten in der Küche gelten.

Wir haben gelesen, dass du die Kitchennerds GmbH Anfang August 2013 gegründet hast, aber mit der Plattform erst nach 1,5 Jahren Entwicklungszeit Ende September 2014 in Hamburg an den Markt gegangen bist. Was ist in den anderthalb Jahren passiert und heißt das, dass du in dieser Zeit bewusst keinen Umsatz erzielt hast? Wenn ja, wie hat sich die GmbH in dieser Zeit getragen?

Das Team hat die Plattform in dieser Zeit erst einmal neben seinen Hauptaufgaben entwickelt und ich habe erste Köche damals für die Plattform angesprochen und mit ihnen das Konzept besprochen, getestet und die ersten Kochprofile erstellt. Finanziell waren wir in der Zeit gut abgesichert.

Dein Lebensgefährte ist ja selbst auch Unternehmer. Wie strikt seid ihr dabei den Businesstalk nicht mit nachhause zu nehmen?

Anfangs war es schon schwierig nicht über die Firma zu sprechen. Aber schon ziemlich schnell habe ich mit ihm die Abmachung getroffen nach 18 Uhr und an den freien Tagen, also Wochenende und Feiertagen, nicht über die Firma zu sprechen, woran wir uns schnell gewöhnt haben und was uns seitdem (auch in schwierigeren Zeiten, wie in den vergangenen Monaten, wo Vermittlungen für private Events durch Corona nicht möglich waren) sehr gut gelingt.

Welche Unternehmer- / Businessskills siehst du bei dir persönlich als noch ausbaufähig?

Oh, im Prinzip finde ich alles noch ausbaufähig. Man kann bestimmt noch alles optimieren und sehr viel dazu lernen. Das macht doch das Unternehmerleben erst so richtig spannend… Es ist eine ewige Lernreise und wenn man meint, man wäre schon mit allem perfekt ausgestattet, denke ich, dass man sich da schon was vormachen würde. Lebenslanges Lernen ist mein Motto, auch schon vor dem Unternehmertum gewesen, was auch eine ständige Weiterentwicklung der entsprechenden Skills mit sich bringt. Naja, und generell ist es immer wichtig mit einem wachen Auge durch die Gegend zu gehen und zu schauen, was man gerade am besten für die Firma nutzen kann.

Was passt zur Firma? Was möchte die Umwelt aktuell? Besonders jetzt in Corona-Zeiten müssen viele Geschäftsmodelle angepasst werden. Die Flexibilität zu haben ist auf jeden Fall sehr wichtig und auch wir arbeiten an Möglichkeiten, die zum Kitchennerds-Konzept passen, sodass wir bei einem erneuten Lockdown, nicht wieder geschäftlich lahm gelegt werden.

Credit: Mirja Glatz Fotografie

Du bist ebenfalls stellvertretende Quartiersleitung der Digital Media Women in Hamburg. Was ist dort genau deine Aufgabe und wie vereinbarst du das organisatorisch mit deinem eigenen Business? Gibt es Wochentage, die einem bestimmten Business oder einer bestimmten Aufgabe gewidmet sind?

Bis Ende November 2019 war ich stellvertretende Quartiersleitung der Digital Media Women in Hamburg, anschließend Quartiersleitung und seit diesem Juni bin ich 2. Vorstandsvorsitzende der Digital Media Women e.V. auf Bundesebene.

Job und Ehrenamt habe ich seit 2011 immer sehr gut miteinander unter einem Hut bekommen. Dieses Jahr kam dann noch mein zweites Studium, dieses Mal Wirtschaftsinformatik, hinzu, wo ich gerade das erste Semester hinter mich gebracht habe. Tagsüber widme ich mich meinem Business und abends dem Ehrenamt für den gemeinnützigen Verein oder dem Studium. Dienstags ist aber generell auch #DMW-Tag, der Vormittags mit dem Call mit meinen Vorstandskolleginnen beginnt und dann oft abends mit einer der unterschiedlichsten Aufgaben, die das Amt mit sich bringt, endet. Viele der #DMW-Calls finden abends statt, da alle ehrenamtlichen, aktiven Mitglieder voll berufstätig sind. Im Schnitt arbeite ich zehn Stunden pro Woche nebenbei für das Ehrenamt.

Als Digital Media Women e.V. sind wir als Verein vor zehn Jahren angetreten, mehr Frauen im Business sichtbar zu machen und auf die Bühnen zu bringen, ob als Speakerin auf Podien, in der Presse oder der Empfehlung für eine Führungsposition. Die #DMW stehen für ein lebendiges Netzwerk, digital Leadership und #FemaleEmpowerment, dafür gilt meine nebenberufliche Leidenschaft. Als Vorständin bin ich mit den aktiven Mitgliedern im ständigen Austausch und schaue mir ihre Quartiersarbeit in den einzelnen Standorten genauer an.

Als #DMW engagieren wir uns politisch und mir ist es auch wichtig mich neben der Diversity-Arbeit für mehr Frauen im Tech zu engagieren. Mich haben viele Frauen bei den #DMW ermutigt mein Unternehmen zu gründen. Nun möchte ich andere Frauen empowern dasselbe zu tun oder ihren Schritt in eine neue bessere berufliche Position zu wagen und das auch finanziell. So ist mir die Behebung des in Deutschland leider nach wie vor zu großen PayGaps zwischen den Geschlechtern unfassbar wichtig. Warum sollte ich auch bei gleicher oder ggf. sogar besserer Ausbildung als mein Kollege im selben Job weniger verdienen, nur weil ich eine Frau bin?!? Nein, ich möchte genauso auf allen Ebenen beruflich gleichgestellt werden. Alle Frauen sollen es sein.

So engagiere ich mich aktuell u.a. auch beim #SafeEquality Hackathon der #DMW mit befreundeten Netzwerken, den wir im Januar 2021 starten werden. Jede Frau, die dann Zeit und Lust hat, ist herzlich eingeladen beim Hackathon mitzumachen. Eingeladen sind alle Frauen (nicht nur aus dem Tech). Spaß und viel neues zu Lernen ist sicherlich dabei.

Welche Anlaufstelle, welches Marketingtool und welche Ressource kannst du neuen Gründern von Herzen empfehlen?

Wenn man das Werbebudget hat kann ich immer sehr gut Seitenfensteraufkleber im ÖPNV empfehlen. Sie sind deutlich günstiger als Print-Anzeigen und fallen wirklich jedem, selbst mit Blick auf das Smartphone, ins Auge. Wir haben in unseren ersten Jahren in der Hamburger U-Bahn diese Werbung geschaltet und es hat uns nicht nur neue Kunden, sondern auch einige neue Köche damals gebracht, die sich bei uns für die Plattform daraufhin beworben haben.

Okay, in Corona-Zeiten meiden viele den ÖPNV verständlicher Weise, und so fällt für viele diese Option aktuell mit Sicherheit weg. Aber ansonsten bietet diese Werbeoption schon ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Des Weiteren kann ich immer eine sehr gute Suchmaschinenoptimierung der eigenen Website empfehlen. Wir haben eine sehr gute organische Reichweite in Suchmaschinen wie Google erzielen können, und das durch reine Inhouse-Arbeit. SEO lässt sich gut selbst erlernen, wenn man noch nicht als Gründer das Budget hat, solche Tätigkeiten an externe Partner rauszugeben.

Unsere Kunden nennen Google immer als erstes, wenn wir sie fragen, wie sie auf uns gekommen sind. Das bestätigt auch unser digitales Monitoring. Blogbeiträge, Social Media und PR-Maßnahmen (PR-Artikel und kleine Events zur Produktpräsentation oder das Community-Building) sind ebenfalls sehr effektiv und für Gründer/innen die wirklich günstigsten und somit empfehlenswertesten Marketingtools, gerade wenn das Unternehmen noch nicht so viel Gewinn abwirft.

www.kitchennerds.de
@kitchennerds

Scroll To Top