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Jasmin Taylor, Gründerin von JT Touristik und Seelandhaus | „Ich habe den Rückschlag der Insolvenz sehr persönlich genommen“

Jasmin Taylor, Gründerin von JT Touristik und Seelandhaus | „Ich habe den Rückschlag der Insolvenz sehr persönlich genommen“

Als Jasmin Taylor sich mit JT Touristik selbstständig gemacht hatte, setzte sie auf das richtige Pferd und brachte ihr Unternehmen zu großen Erfolgen. Sie gewann Auszeichnungen, wurde für ihre Erfolge in der Branche sehr bekannt. Bis Air Berlin 2017 Insolvenz anmeldete und somit eine Hiobsbotschaft die andere jagte. Das Ende vom Lied: JT Touristik konnte sich nicht mehr halten und meldete Insolvenz an. Für Jasmin öffnete sich damit eine dunkle Zeit in ihrem Leben, mit der sie auch lange zu kämpfen hatte. Doch sie fasste einige Zeit später wieder den Mut und gründete erneut. Heute führt sie die Seelandhaus GmbH, ein Unternehmen, welches Seegrundstücke erwirbt und entwickelt und damit Urlaubsresorts in einzigartiger Lage schafft. ⁠⁠

Liebe Jasmin, erzähle uns bitte, was du vor deiner Selbstständigkeit gemacht hast.

Da muss ich weit zurückgehen. Während meiner ganzen Oberstufenzeit und während dem Abi habe ich in Deutschland zunächst in verschiedenen Bereichen eines Luxus-Hotels gearbeitet. Wahrscheinlich habe ich bereits damals meine Passion für die Reisebranche entwickelt. Mein Ziel war es, in einem Luxushotel nicht nur zu arbeiten, sondern eines Tages zu wohnen.

Du bist gebürtige Iranerin und bist als Teenager alleine nach Deutschland gekommen, hast dir sogar selbst die deutsche Sprache beigebracht. Warum kamst du allein und wie hast du die ersten Monate allein in der Fremde in Erinnerung?

Während des Krieges zwischen Irak und Iran durften Minderjährige nach Deutschland kommen. Meine Eltern schickten mich alleine, da sie davon ausgingen, dass sie bald nachkommen würden. Dies war aber dann leider nicht möglich, so dass ich auf mich alleine gestellt war. Die erste Zeit war extrem schwer für mich. Ich habe mich sehr nach meiner Familie gesehnt.

Credit: Jasmin Taylor

Was du schon immer sehr ambitioniert?

Auf jeden Fall. Ich war schon immer überaus ehrgeizig und habe mir hohe Ziele gesteckt.

Wann und warum hast du dich das erste Mal selbstständig gemacht? Was war der Auslöser dafür?

Anfang der 2000er Jahre – also zur dot.com-Zeit. Ich sagte zu mir: Du kannst drei Dinge im Internet verkaufen – CD’s, Bücher oder Reisen. Ich habe mich für Letzteres entschieden.

Wer hat dir beigebracht wie eine Unternehmerin zu denken und zu handeln?

Meine Eltern. Ich stamme aus einer iranischen Unternehmerfamilie. Das Ziel zur Selbstständigkeit wurde mir förmlich in die Wiege gelegt.

Du hast für dein Engagement und deine Erfolge auch schon mehrere Auszeichnungen bekommen. Kannst du dich noch an deine erste Auszeichnung erinnern und wie hast du diesen Erfolg wahrgenommen?

Meine wichtigste Auszeichnung war die des „Travel Industry Manager“ durch den TIC – Travel Industry Club. Ich bin die erste Frau, die diesen Preis erhalten hat. Die Auszeichnung hat mir in der Branche zu großer Anerkennung verholfen.

2017 hast du den wohl herbsten Rückschlag erlebt, den man als Unternehmerin erleben kann – du musstest mit JT Touristik Insolvenz anmelden. Warum kann es soweit und wie war das für dich als Gründerin?

Da kamen vor allem zwei Gründe zusammen. Zum einen meldete Air Berlin Insolvenz an und mein Unternehmen hatte große Kontingente eingekauft, die wir nicht so einfach durch andere Airlines kompensieren konnten. Zum anderen zog sich unser Versicherer aus der Branche zurück und wir konnten keine Nachfolgeversicherung mehr zu vergleichbaren Konditionen finden.

Hast du diesen Rückschlag persönlich genommen oder eher nüchtern als Risiko, das jedes Unternehmen eingeht?

Ich habe den Rückschlag sehr persönlich genommen – schon alleine, weil ich eine große Verantwortung für meine Mitarbeiter hatte. Man müsste schon sehr abgebrüht sein, um so etwas nicht an sich ran zu lassen.

Credit: Jasmin Taylor

Du hattest dir zu JT Touristik-Zeiten einen großen Namen in der Branche gemacht, warst als Society Lady für deine Erfolge überall bekannt. Wie hast du die Kommunikation nach den News über deine Insolvenz wahrgenommen? Waren die Leute eher verhalten oder unterstützend?

Es gab durchaus ein paar Menschen, die bereits vorher nicht an mich geglaubt hatten. Die fühlten sich natürlich bestätigt. Im Großen und Ganzen habe ich aber sehr viel Zuspruch und moralischen Support erfahren. Gegen negative Kommentare in sozialen Medien habe ich mich geschützt, indem ich es zeitweise komplett vermieden habe, Kommentare zu lesen.

Wie ist es für dein Unternehmen und deine Mitarbeiter weitergegangen?

Es ist uns zum Glück gelungen, das Unternehmen zu verkaufen – nämlich an Großkonzern Lidl. Alle Mitarbeiter konnten dadurch übernommen werden. Da fiel mir ein großer Stein vom Herzen.

Bereits ein Jahr später hast du erneut den Mut gefasst und die Seelandhaus GmbH gegründet. Woher kam der Drive es nochmals zu versuchen und hattest du Angst davor, dass es nochmals schiefgehen könnte?

Nach einer kurzen Phase der Entschleunigung und Pause kribbelte es wieder in meinen Fingern und ich wollte unbedingt wieder etwas anpacken. Angst hatte ich nicht, aber natürlich eine gesunde Portion Respekt. Wegen Corona stehe ich jetzt erneut vor großen Herausforderungen. Mit dem Deutschland-Tourismus hatte ich aber bereits vor Corona auf den richtigen Trend gesetzt. Ich denke, er wird sich sogar noch verstärken.

Gibt es etwas, dass du diesmal durch bezahltes Lehrgeld anders angegangen bist und was würde dir heute sicherlich nicht mehr passieren?

Ich gehe die Dinge womöglich etwas ruhiger und geduldiger an. Bei JT Touristik gab es schon enorm aufreibende Zeiten. Da weiß ich mich heute etwas besser zu zügeln.

Wie lebst du heute als Unternehmerin? Trennst du strikt berufliches und privates und welche Werte sind dir wichtig?

Als Unternehmerin kann man Berufliches und Privates nie ganz trennen. Ich weiß mich innerlich heute aber etwas besser zu distanzieren als früher. Familie, Partner und Freunde sind mir heute noch wichtiger als je zuvor. Sie sorgen schließlich für den besten Ausgleich im Leben.

www.seelandhaus.de
@_jasmintaylor_

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