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Inge Walther, Gründerin von DINNIKETTE | “Man muss die Regeln kennen um sie brechen zu können!”
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Inge Walther, Gründerin von DINNIKETTE | “Man muss die Regeln kennen um sie brechen zu können!”

Mit großen Karriereschritten kommen immer wieder auch Themen wie Selbstpräsenz auf den Tisch. Wie wirke ich auf andere? Wir mache ich den professionellsten Eindruck auf mein Gegenüber? Ebenso wichtig, wie die Kunst der Kommunikation ist auch das Erscheinungsbild. Auch wenn heutzutage schon lange nicht mehr Anzug und Krawatte in der Businesswelt erforderlich sind, ist es trotzdem wichtig, seine Schokoladenseite hervorzuheben.

Inge Walther ist Farb-, Stil- und Imageberaterin und hilft ihren Kunden nicht nur als Imageberaterin, sondern auch in Sachen Business-Knigge. Im Interview erzählt sie uns, wie sie zu ihrer Berufung gefunden hat und warum gerade schwarz nicht immer die perfekte erste Wahl ist.

Foto: Rudolf Steiner

Wie ist dein Background? Was hast du vor deiner Selbstständigkeit gemacht?             

Ich absolvierte die Handelsschule und mein Ziel war es, so schnell wie möglich Geld zu verdienen, daheim auszuziehen und auf eigenen Beinen zu stehen. Mit 18 hatte ich einen Job, eine Wohnung – mit indischer Toilette jenseits des Ganges, einen Führerschein, ein Auto, naja eher einen fahrbaren Untersatz. Mit 28 bekam ich meinen Sohn, mit 29 war ich geschieden. Mit 37 verlor ich meinen Job und stellte gleichzeitig fest, dass ich wieder schwanger war. In der Zeit der Schwangerschaft die Ausbildung zur ImmobilienverwalterIn und ImmobilienmaklerIn gemacht. Ein Monat nach der Geburt meiner Tochter sämtliche erforderlichen Prüfungen erfolgreich abgelegt. Und weil ich so im Lernen war, die Prüfung zum Bauträger auch gleich drangehängt.

Meine Tochter war 9 Monate alt, als ich die Chance erhielt die Abteilungsleitung für Immobilien bei Bmstr. Ing. Richard Lugner und der Lugner-City zu übernehmen. Da schnupperte ich das erste Mal „Einkaufszentrumsluft“. Das war im Jahr 1997. Was bedarf es alles, damit ein EKZ erfolgreich ist. Wie funktioniert ein EKZ, welche Zutaten sind nötig, vom optimalen Branchenmix beginnend, hinüber zur sicheren Vertragsgestaltung, Abrechnungen, gesetzliche Rahmenbedingungen uvm. Es war für meine Familie und mich eine dynamische und sehr lehrreiche Zeit.

Ich bin meiner Familie sehr dankbar, dass sie mich dabei voll unterstützt hat. Bis dahin kannte ich EKZ’s nur als Kundin. Ich hatte keine Ahnung, was alles nötig ist, damit ein Einkaufszentrum erfolgreich ist. Heute sage ich, ein EKZ ist wie ein langer Zug zu sehen. An den Rädern ist immer wieder nachzujustieren, damit der Zug auf Schiene bleibt und kontinuierlich weiterfährt, im Sinne von attraktives Einkaufserlebnis für die Kunden.

2003 wurde mir ein sehr attraktives Job-Angebot gemacht. Ein Center, damals ein Big-Player in der Einkaufszentrumsszene in Österreich, von der Eröffnung an zu übernehmen. Mein umfangreiches, praxiserprobtes Wissen – als Spezialisten für Shopping-Center kam wie gerufen. Die Ausbildung zur Mediatorin folgte, was unglaublich hilfreich war und noch immer ist. All die Jahre war es abwechslungsreich, mit allen Höhen und Tiefen, aber immer spannend! Jetzt habe ich mein Business nach dem Business!

Woher kam die Idee mit diesem Businesskonzept durchzustarten?

Ehrlich gesagt, es ist einfach so passiert. Und es dauerte Jahre bis dorthin. Ich hab’ es nicht verstanden, warum ich am Morgen, wo ich doch ausgeschlafen und bereit für den Tag war, beim Blick in den Spiegel feststellte, ich sehe furchtbar aus. Gerade heute, wo so ein wichtiger Termin stand. Auch MakeUp brachte eher nur ein mittelmäßiges Ergebnis. Ich beschloss die Ausbildung zur Farb- und Stilberaterin zu machen. Nach dem ersten Tag wusste ich um mein Problem Bescheid, ich trug einfach die für mich unpassenden Farben.

Nach Abschluss war ich mir sicher sämtliche Einfach-Gut-Aussehen-Geheimnisse zu kennen. Weitere Seminare und Workshops folgten und eine durchgreifende Änderung meines eigenen Erscheinungsbildes – ich hörte auf meine Haare zur färben. Aus rotbraun-schulterlang wurde silbergrau-raspelkurz. Für mich persönlich bedeutete dies eine neue Freiheit, nicht alle drei bis vier Wochen neue Farbe beim Friseur zu tanken, was viel Zeit und Geduld in Anspruch nahm.

Meine Umwelt war gespalten. Von „sensationell“, über „na, du traust dich was“ bis „Das traue ich mich nie, was würde mein Mann dazu sagen?“, war alles dabei.

Neben meinem mehr als Vollzeitjob machte ich mich ziemlich spontan 2013 selbständig. Ich bot Quick-Tipps zum Thema Farbe, Styling, MakeUp für die Kunden in Einkaufszentren an. Mein Team und ich waren da ganz schön unterwegs. Den Betreibern von den Einkaufszentren hat es gefallen, endlich wieder war Neues im Haus und die Kundinnen haben den Service sehr geschätzt.

Von Positionierung, Marketing und all die anderen Sachen, hatte ich keine Ahnung. Mein Talent, die Kommunikation mit Menschen und meine kaufmännische Ausbildung kamen mir zugute.

Auch im VIB Verband der Imageberater brachte ich mich ein und war Mitglied im Vorstand. Ich lernte Jahresprogramme zu planen, Konferenzen zu organisieren, Folder zu gestalten, Jour Fixes abzuhalten und aus Fotos, Videos zu machen.

2014 absolvierte ich dann meine erste TÜV-Zertifizierung als Imageberaterin, als eine von neun Damen in ganz Österreich.

Meinen ersten eigenen Workshop hielt ich 2015 ab. Heute bin ich in der Wirtschaftskammer aktiv tätig, um den Berufsstand der Farb-, Stil- und Imageberater weiter bekannt zu machen.

Foto: Rudolf Steiner

Wer sind deine Kunden und warum suchen sie deine Hilfe?

Bei der Farb-, Stil- und Imageberatung sind es überwiegend Damen. Da gibt es unterschiedliche Gründe. Der nächste Karriereschritt wartet um die Ecke, die Aufgaben oder das Leben ändert sich. Die Frau fühlt sich mit ihrer zweiten Haut, der Kleidung, nicht mehr wohl. Gewichtsreduktion, Typveränderung (ich mag nicht mehr länger meine Haare färben) – da gibt es viele Beweggründe. Auch sind viele meiner Kundinnen vom schier unüberschaubaren Angebot an Kleidung, dicht gefüllten Kleiderstangen in den Geschäften überfordert. Shoppingfrust! Und einfach die Frage: Was passt mir wirklich?

Viele suchen auch den Rat einer unabhängigen Person mit dem Blick von außen und nicht dem Urteil der besten Freundin vertrauend. Oder jemanden, der auch mal Mut zusprechen kann und sagt „trau dich, probier’ das Teil oder die Kombination und dann sehen wir weiter“. Das Strahlen in den Augen der Kundin ist unbezahlbar.

Ebenso wichtig ist auch ein „Danke, dass du mich dazu motiviert hast, das hätte ich mich nie getraut auszuprobieren“. Gut gekleidet zu sein, und damit nicht zwingend teuer, gibt Selbstsicherheit, hebt die Körperspannung, bringt Komplimente und bewirkt ein Rundum-Gutes-Gefühl.

Nehmen deine Kunden meist selbst ihr Erscheinungsbild wahr oder kommen sie auf externe Empfehlung?

Mal so, mal so. Ich bin auf vielen Netzwerktreffen, wo es dann auch sein kann, dass die Sätze „ach zu dir wollte ich schon lange“, oder „darf ich dir XY vorstellen, sie sucht eine Farbberaterin und da dachte ich, ihr beide passt gut zusammen“, fallen. Wichtig ist für mich, dass ich bevor ich mit der Zusammenarbeit beginne, zu wissen, was die Kundin/der Kunde wirklich will. Für welches Problem genau wird eine Lösung gesucht? Bin ich mit meiner Dienstleistung überhaupt die perfekte Lösung? Kann man überhaupt miteinander arbeiten? Vertraut man dem anderen? Die beste Empfehlung hilft nichts, wenn die zwischenmenschliche Chemie nicht passt. Wenn Vorstellungen, Wünsche und Werte auseinanderklaffen, macht das keinen glücklich. Menschen kaufen von Menschen!

Woher weiß ich welche Farbe mir am besten steht? 

Zunächst kommt das auf die (natürliche) Augenfarbe an. Trage die Farben deiner Augen als Kleid, als Shirt oder als Schal. Beobachte vorm Spiegel bei Tageslicht Veränderungen im Gesicht. Strahlen deine Augen jetzt noch mehr?

Bei einer Farbberatung werden drei Kriterien herangezogen: die Augenfarbe, die Pigmentierung der Haut und die (natürliche) Haarfarbe. Mit speziellen Analysetüchern und vor dem Tageslichtspiegel sieht man dann die Wirkung der unterschiedlichen Farben in einem ungeschminkten Gesicht. Manche Farben wirken neutral, andere lassen den Teint so richtig strahlen und frisch aussehen. Und wieder andere wirken fahl. Auf meinem roten Beratungsstuhl gibt es oft weitreichende, farbtechnische Erkenntnisse.

Foto: Rudolf Steiner

Natürlich ist es wichtig, sich entsprechend gut zu kleiden, wenn man sich persönlich mit Kunden trifft. Was rätst du jedoch Unternehmern, die keinen direkten Kundenkontakt haben? Kann man auch entsprechend kompetent auf andere am Telefon wirken, wenn man in Jogginghose aus dem Home-Office arbeitet?

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Im Home-Office kann schon mal lässiger sein. In Zeiten von Video-Telefonie und -konferenz sollte man es sich doch überlegen, was man von oben bis zur Taille trägt. Das tolle T-Shirt vom letzten Urlaub, das neongrelle Lieblings-Sport-Shirt oder das Shirt mit Spaghetti-Trägern sollten lieber im Schrank bleiben. Shirt, Bluse oder Hemd ohne Muster, Karos und Struktur machen sich da am besten. Nicht vergessen auf den Hintergrund achten, weißes Hemd oder Bluse vor weißer Wand gibt keinen Kontrast.

Du sagst, dass gerade schwarz überhaupt nicht ideal ist für Businessleute. Warum das? 

Die Farbe schwarz steht für Festlichkeiten aber auch für Trauer, Distanz und Hoffnungslosigkeit. Im Business verkaufen wir ein Produkt, eine Dienstleistung oder uns selbst. Wir möchten doch zu unserem Kunden Nähe und keine Distanz. Anthrazit, Grau, Dunkelblau kombiniert mit einer hellen Farbe ist eine gute Alternative. Schwarz kann aber auch ein Statement sein.

Du bist ebenfalls die Gründerin von DINNIKETTE ® – feines Menü und Anti-Blamier Knigge. Erzähle uns bitte mehr darüber.

Gemeinsames Essen verbindet und schafft Vertrauen. Geschäftsessen in gepflegter Atmosphäre sind eine große Chance gute Kontakte aufzubauen, zu pflegen und nachhaltig zu verbessern. Und gute Manieren sind immer im Trend!

Meist sind wir 20 bis 25 TeilnehmerInnen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Meine Themen sind aktuelle Umgangsformen und Höflichkeiten, welches Lokal wähle ich, ist eine Sitzordnung sinnvoll, die Sprache von Besteck und Serviette richtig verstehen, wer hält wem die Tür auf, wohin mit dem Handy, Smalltalk, ab wann geht´s ums Geschäft, wer zahlt die Rechnung uvm.

Ich gehe sehr auf die individuellen Bedürfnisse und Fragen der Teilnehmer ein. Mein Ziel ist es, einfache Unsicherheiten in einem geschützten Rahmen auszuräumen.

Ein weiteres Thema ist auch Business-Kleidung. Jeder hat ein anderes Business und versteht etwas anderes darunter. Eine Frage, die ich meinen TeilnehmerInnen immer stelle: Ist ihre Expertise sichtbar? Sich zu kleiden, ist Wertschätzung gegenüber seinem Gesprächspartner. Man muss die Regeln kennen um sie brechen zu können!

Foto: Andrea Sojka

Welche sind die größten Fehler, die heutzutage in Sachen Kleidung und Manieren von Unternehmern gemacht werden?

Mit Jeans kann man heute (fast) überall hingehen, es ist nur die Frage mit welcher. Dazu zählen gutsitzende Business-Jeans ohne Waschungen, Applikationen und Rissen. Unpassende Kleidung, mangelnde Passform, z.B. zu groß, zu lang, zu weit, sind ein No-Go. Sei es bei Hosen, Hemden oder Sakkos. Abgetragene oder ungeputzte Schuhe. Bei Damen wird die Kleidung manchmal einfach zu groß gekauft, was ich sehr schade finde. Aber auch Shirts mit Botschaften darauf, die doch eher in den privaten Bereich gehören. Eine glitzernde Mickey Mouse auf der Brust hinterlässt Eindruck, unterstreicht jedoch nicht die Expertise. Auch Kleidung hat ihr Ablaufdatum!

Ein weiteres Thema ist das Handy; es geht nicht mehr ohne, jedoch ist eine Präsenz ohne ständigen Blick auf das Telefon wichtig. Hier geht es um mangelnde Wertschätzung gegenüber seinem Gesprächspartner. Der Smalltalk, das kleine, freundliche Gespräch geht andernfalls zur Gänze unter.

Wünschen Sie ihrer Verkäuferin, die ihnen am Morgen frisch duftenden Kaffee zubereitet und dazu ein knuspriges Brötchen reicht, ein freundliches Dankeschön und einen schönen Tag. Sie werden mit einem strahlenden Lächeln belohnt. Verblüffen sie einfach Ihre Mitmenschen, halten sie freundlich die Türe auf, helfen sie einer jungen Mutter mit ihrem Kinderwagen beim Einsteigen in die Straßenbahn.  Umsicht ist Weitsicht! Probieren Sie es aus! Es geht ganz einfach! Sie werden belohnt!

www.dieimagemacherin.at

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