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Dr. Anabel Ternés von Hattburg, Gründerin von GetYourWings | „Mir ist wichtig, dass Kinder selbstbestimmte kluge Köpfe werden können!“
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Dr. Anabel Ternés von Hattburg, Gründerin von GetYourWings | „Mir ist wichtig, dass Kinder selbstbestimmte kluge Köpfe werden können!“

Anabel Ternés von Hattburg engagiert sich schon seit ihrer Kindheit für Umweltschutz, Menschen- und besonders Kinderrechte. So hat sie zum Beispiel zwei Jahre ehrenamtlich die PR für Amnesty International Berlin-Brandenburg geleitet, war Mentee für die Deutschlandstiftung Integration und Neue Deutsche Medienmacher, hat mit anderen Menschen zusammen den Think Tank für innovative Bildung BildungsLabOne gegründet und viele Veranstaltungen organisiert – zu den Themen Nachhaltigkeit, Diversity, Frauen Empowerment und Bildungsrechte für alle. 

Seit 2016 fördert sie unter dem Motto “Give digital future a responsible face” Zukunftskompetenzen in multimedialer Bildung und Weiterbildung in ihrem gemeinnützigen Startup Get Your Wings. In den Lerneinheiten wird vermittelt, wie man mit digitalen Tools umgeht und wie zugleich ein verantwortungsvoller Umgang mit diesen Medien, der Technik und der Umwelt aussieht. Persönlichkeitsentwicklung ist dabei auch immer ein Ziel von GetYourWings.

Foto: Bettina Volke

Anabel, was hast du vor GetYourWings gemacht?

Nach meinem Studium habe ich einige Jahre Business Development für internationale Lifestyle Unternehmen verantwortet und dabei viel Auslandserfahrung gesammelt. Zusätzlich habe ich in mehreren Ländern in dieser Zeit StartUps mitgegründet, darunter in der Türkei. Zudem habe ich auf Großveranstaltungen zu Digitalisierungsthemen gesprochen, leitete ein Institut für Nachhaltigkeitsmanagement und war als Professorin an mehreren Hochschulen engagiert.

Wie kam es zu dem Konzept von GetYourWings?

GetYourWings ist aus einer Flüchtlingsinitiative heraus entstanden. Ursprünglich als Initiative Pro Flüchtling unterstützten wir Bildung, Weiterbildung und Jobintegration für geflüchtete Minderjährige, Erwachsene und Frauen mit Migrationshintergrund. Wir merkten dabei, dass wir die Menschen am besten über gemeinsames Kochen zusammenbringen konnten – hier kamen alle zusammen, tauschten sich aus über ihre Wünsche, Ängste und Bedürfnisse. Hier wurden auch sensible Themen wie Sexualität, Existenzangst oder Bedrohung diskutiert, über die einige Betroffene sonst wahrscheinlich nie gesprochen hätten.

Neben dem Zubereiten von Speisen merkten wir, dass es allen guttat, wenn sie Vorbilder hatten, sogenannte Role Models. Mithilfe von Kameraprofis brachten wir den Beteiligten bei, solche Role Models zu filmen, die in ihrem Leben schon Brüche und Rückschläge gehabt, sich aber immer wieder aufgerafft und neu orientiert hatten, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die Filme, die dabei entstanden, bewegen auch heute noch jeden, der sie anschaut. Die Zuschauer merken, dass im Leben nicht alles immer gelingen muss, sondern dass das Leben manchmal Umwege bereithält und dass man als Mensch gerade an diesen Umwegen wächst. Die Botschaft lautet, dass jeder Tag eine neue Chance in sich birgt, etwas Neues zu starten, mit dem man seinem Leben eine positive Richtung geben kann.
Wir vermittelten schon damals Zukunftskompetenzen in Workshops – und schon damals basierte das auf einer Verbindung von ganzheitlicher Gesundheit und nachhaltiger Digitalisierung. Uns war das noch zu wenig nachhaltig wirksam. Auf Bitte von Lehrkräften und Geschäftsführern boten wir die ersten Workshops zu gesunder Digitalisierung an Schulen und in Unternehmen an. Damit war GetYourWings geboren.

Foto: Bettina Volke

Warum ist es so wichtig, dass Kinder sich mit diesem Thema auseinandersetzen?

Kinder finden sich in der digitalen Welt unglaublich schnell zurecht, häufig schneller als Erwachsene. Dabei reflektieren sie den Umgang mit der Technik weniger als viele Erwachsene und sehen auch spezielle Gefahren, wie Internetsucht oder Cybermobbing erst einmal nicht. Häufig geht auch über den Spaß an digitalen Tools das Wissen oder der Umgang mit unserer natürlichen Umgebung verloren. Das umfasst Natur und Umwelt, aber auch die Kommunikation miteinander.
Wir sehen, wie es auch durch Studien bestätigt wird, dass Kinder schon im Grundschulalter oft keinen Bezug mehr haben zur Natur und zu Tieren, zum Zubereiten von Speisen, dem gemeinsamen Essen mit der Familie zu Hause. Auch sehen wir eine Tendenz zu einem immer schlechteren Sozial- und Kommunikationsverhalten, auch durch Studien bestätigt, wie zum Beispiel eine verrohte vereinfachte Sprache in sozialen Medien oder auch eine verminderte Fähigkeit zum schriftlichen und mündlichen Ausdruck.

Hier gibt es großes Entwicklungspotenzial für neue Bildungsmodelle. Und damit meine ich nicht nur die Fähigkeit, sich digitaler Tools zu bedienen. Vielmehr geht es darum, dass Kinder Zukunftskompetenzen lernen – das beginnt bei Teamfähigkeit, Zeitmanagement und geht bis zum vernetzten Denken, Kreativität und Stressresistenz.

Dir liegen Kinder am Herzen. Welche Möglichkeiten, denkst Du, sollte Kindern geboten werden?

Zuallererst ist mir wichtig, dass Kinder zu selbstbestimmten, klugen Köpfen heranwachsen können: solche Kinder wissen, dass sie Dinge bewegen können. Denn sie haben Vertrauen in sich selbst und in andere – und dazu ein stabiles Wertegerüst. Für solche Menschen spielen Authentizität, Respekt und Verantwortung eine wichtige Rolle. So gestärkt, können Kinder mit Vielfalt aufwachsen – mit einer Vielfalt an Angeboten in Musik, Kunst, Kultur aber auch in der Naturwissenschaft. Kurzum: Ich möchte, dass Kinder Chancen bekommen, gefördert und gefordert werden, um sich frei entfalten zu können.

Foto: Bettina Volke

Du hast in einem Interview mal gesagt “The things that make a good Executive are Attributes a Mompreneur has anyway”. Glaubst du, dass Mütter intuitiv schon das Zeug mitbringen, um im Beruf erfolgreich zu sein?

In der Tat glaube ich, dass Mütter allein durch ihre Organisationsfähigkeit, ihr psychologisches Gespür und vieles andere, was im Alltag das Muttersein ausmacht, schon vieles mitbringen, was für einen Erfolg notwendig ist. Allerdings macht Muttersein allein noch keine erfolgreiche Unternehmerin aus. Dazu gehört noch einiges mehr: zum Beispiel der souveräne Umgang mit Zahlen, also betriebswirtschaftliches Wissen, der Spaß und die Fähigkeit zum Vertrieb, Ideen und Knowhow zu Marketing und Vertrieb.

Du bist Sozialentrepreneurin und hast schon mehrere Unternehmen gegründet. Kann man dieses Bedürfnis, Ideen in die Welt zu tragen, mit dem Drang nach einem „ich kann nicht anders“ erklären?

Ich bin ein schöpferischer Mensch. Und mir ist es wichtig meinen Anteil daran zu bringen, die Welt zu einer besseren zu machen – und selbst so zu leben, dass ich nachhaltigen Prinzipien folge.
Wenn ich ein Problem sehe, dann gehe ich es an und versuche es zu lösen, wenn ich kann. Und wenn ich sehe, dass die Lösung noch nicht da ist, ich aber meine, dass wir sie hinkriegen können – dann liegt mir viel daran, diese Lösung zu finden und anderen Menschen zur Verfügung zu stellen.

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Und wie organisierst du dich, um all diese Verbindlichkeiten zu managen und jedem Business gerecht zu werden?

Ich bin organisiert und habe ein gutes Zeit- und Aufgabenmanagement. Dazu gehört zum Beispiel eine kleine Tasche, die immer fertig gepackt bereitsteht und die ich mitnehme, egal, wie lange ich verreise. In der Tasche habe ich eine Reisegrundausstattung fertig vorbereitet, darunter Strumpfhosen, Zahnpasta, Zahnbürste, Gesicht-, Hand- und Körpercremes abgefüllt in Bordgepäck-Größe, Reinigungslotion, Blotting-Paper und eine Augenmaske.

Dann habe ich einen gut strukturierten Kalender, auf den meine engsten Mitarbeiter Zugriff haben. So sehen sie gleich, wann ich wo bin, auch wann ich freie Zeiten eingetragen habe und wann sie mir Termine eintragen können, ohne lange Abstimmungsschleifen.

Ich bin zum Glück gut darin, Prioritäten zu setzen und mich immer wieder zu zentrieren mit meinen Aufgaben. Ich kann schnell aus einer stressigen Situation herausgehen und rasch wieder Kraft tanken, beim Workout, Wandern, bei einer Meditation, die nur wenige Minuten dauern muss, beim Yoga, aber auch beim Kochen.

Aber um alles gut managen zu können, ist mein großartiges Team absolut wichtig – und zwar jeder von ihnen. Mit viel Verantwortung und Innovationskraft bewegen wir zusammen viel.

Wie kann man sich deinen Tagesablauf vorstellen? Hast du eine bestimmte Tagesroutine, die dir hilft, organisiert zu bleiben?

Mein Tag beginnt meistens um 6:00 Uhr mit einem kleinen Fitnessprogramm, Stretchübungen, einer kleinen Meditation, ein paar Yogaübungen. Nach einem schnellen Blick auf Apps, wie Wetter, Finanzen Tagespolitik und anstehende Projekte ist Familienzeit.

Mein Smartphone hilft mir, meinen beruflichen Alltag zu organisieren. Bei Asana kann ich den Stand der Projekte prüfen, ich organisiere viel am Telefon und wir haben regelmäßig virtuelle Meetings. Mit meinem Laptop kann ich von überall aus arbeiten, das macht flexibel und ist gut für ein effektives Zeitmanagement.

Sobald ich auf dem Weg zur Arbeit bin, sieht jeder Tag anders aus. Meistens habe ich ein paar interne und externe Meetings. Ich nehme mir zwischendurch Auszeiten, um Texte zu schreiben, Sachverhalte zu bewerten oder Konzepte auszuarbeiten. Regelmäßig stehen auch Mitarbeiterfeedbacks an. Zudem spreche ich oft auf Panels oder halte Keynotes auf Veranstaltungen.

www.getyourwings.de

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