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Kaja-Line Knust, Mitgründerin von DaoTown | “Das Aufwachsen in einer Hippie-Kommune hat mich sehr geprägt.”
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Kaja-Line Knust, Mitgründerin von DaoTown | “Das Aufwachsen in einer Hippie-Kommune hat mich sehr geprägt.”

Kaya-Line Knust ist in einer Hippie-Kommune der frühen 80er aufgewachsen, die aus sehr jungen Eltern bestand, die frei leben wollten und sich nicht den herkömmlichen Konventionen beugen. Das Leben hatte sich draußen abgespielt. Alles war sehr frei, es gab wenig Regeln und die Freiheit ihrer Eltern hatte sich ebenso auf die Kinder übertragen. Ressourcen waren endlich und sie wuchs von Beginn an im Bewusstsein auf, dass man mit allem sorgsam und bedacht umgehen sollte. Auch viele Jahre später hat sie diese Lebensphilosophie immer noch in den Adern und widmete ebenso ihre berufliche Laufbahn der Nachhaltigkeit und dem Bewusstsein für Mensch und Umwelt. Nachdem sie essenzieller Teil des Teams der nachhaltigen Kosmetikmarke “Stop the water while using me” war, geht sie nun heute als Mitgründerin von DaoTown eigene Wege und setzt sich mit ihren Kollegen mit einem Eco-Retreat Center in Portugal gegen Stress im Alltag ein. 

Kaja, wie hast du deine Kindheit empfunden? 

Meine Kindheit war fantastisch und sehr von Freiheit geprägt. Das Essen wuchs im Garten. Es gab keine Fernseher. Ein bisschen Bullerbü. Die maximale Freiheit war toll. Und dann gab es natürlich die andere Seite. Alles war auch sehr chaotisch, der Abwasch stapelte sich zum Beispiel gern. Ich habe daraus viel mitgenommen. Unter anderem meine sehr ordentliche und klare Art (ich habe früh angefangenen mich für das Aufräumen zu begeistern, denn Chaos im Außen konnte ich schon damals schwer ertragen). Ich habe früh gelernt, dass alles möglich ist. Ich konnte selbstständig sein. Konnte alles erschaffen, da ich allen Raum dafür hatte. Wir hatten alles selbst in der Hand. Das hat sich positiv auf mein Leben ausgewirkt. Wenn ich Fleisch essen wollte (das gab es natürlich auch nicht in der Hippie Kommune) bin ich einfach zum Bauern gegangen und habe heimlich dort mitgegessen. Wenn ich doch mal (ebenso heimlich) fernsehen wollte, habe ich mir Freunde gesucht deren Eltern einen Fernseher hatten. Alles war eben möglich, man muss es nur selbst in die Hand nehmen. Man kann für sich selbst alles immer frei entscheiden. Diese Freiheit trage ich auch noch heute in mir. Ich weiß, dass alles da ist auf dieser Welt und ich habe das Privileg, mir Wege zu suchen alles zu erschaffen, was ich mir vorstelle.

Credit: David Dollmann

Welche Grundprinzipien hast du aus einer solchen Lebensweise mitgenommen?

Freiheit. Freiheit. Freiheit. Und das die Antwort immer Liebe ist, egal was die Frage war. Außerdem mögen alle gern ordentliche Schubladen. Auch Hippies.

Bevor du als Mitgründerin DaoTown aufgebaut hast, warst du schon am Aufbau der Naturkosmetikmarke „Stop the water while using me“ beteiligt. Welche Learnings hast du für deine eigene Gründung mitnehmen können?

Stop The Water While Using Me! habe ich quasi von Beginn an aufgebaut. Es gab bereits die Idee und das großartige Design, aber quasi keine richtige Basis dahinter. Ich habe mich in alle Thematiken eingearbeitet, habe früh ein kleines Team zusammengestellt und mit wahnsinnig viel Drive haben wir Großes draus geschafften.

Die Learnings daraus sind so vielfältig. Aber am wichtigsten finde ich, dass man sich wirklich in jede Thematik einarbeiten kann. Dass man unfassbar viel Wissen sammeln kann von Menschen, die in dem jeweiligen Feld bereits viel Wissen – und alle teilen gern wenn man fragt. Dass man jede Frage stellen sollte, gern auch mehrmals zu verschiedenen Tageszeiten. Nicht jede Antwort wird bequem sein. Aber am allerwichtigsten ist es, seiner Intuition zu vertrauen. Immer! Das Budgetbegrenzungen nur in unserem Kopf herrschen. Sicherlich auch auf dem Bankkonto, aber nur, wenn man sich nicht traut groß zu denken und neue Wege zu gehen. Dass Frauen sich grundsätzlich zu klein machen und sich mehr trauen dürfen. Dass wir auf unserer Seite der Welt so wahnsinnig privilegiert sind und die Verantwortung haben, dies zu nutzen, um etwas zu verändern. Und am allerwichtigsten: dass man dem Prozess vertrauen darf! Immer!

„Stop the water while using me“ war/ist eines der wenigen Unternehmen, das keine Werbung macht. Eine unvorstellbare Herausforderung für viele Unternehmen. Wie hat das für euch funktioniert?

Das war ehrlich gesagt nicht so eine große Herausforderung. Denn es war klar, eine starke authentische Marke mit klarer Botschaft braucht keine Werbung. Allerdings nur keine klassische Werbung. Denn in einer Zeit, in der Verbreitung ohnehin über andere Kanäle, als die klassische Anzeige, läuft, vor allem wenn man eine klare Botschaft als Markennamen hat, war es alles keine allzu große Herausforderung. Unsere Herausforderungen lagen eher darin, den Kosmetikmarkt zu verstehen und vor allem unsere Haltung dazu. Wir haben uns darauf fokussiert ein starkes Produkt zu erschaffen, dessen Story sich aus eigener Kraft verbreitet. Vor allem durch überzeugte Kunden, die als Brand-Ambassadors die beste Werbung überhaupt sind. Und die nicht überzeugten Kunden haben uns als Marke wiederum lernen lassen, immer besser zu werden. Auf den Online-Marketing Zug sind wir am Ende natürlich auch noch aufgesprungen… Werbung hat ja mittlerweile viele Gesichter!

Credit: Kaja-Line Knust

Du hast „Stop the water while using me“ nach mehreren Jahren als CEO verlassen und mit zwei weiteren Kollegen DaoTown gegründet. Woher kam dieser Entscheid nach was eigenem?

Ich glaube, irgendwann habe ich gemerkt es ist Zeit loszulassen. Ein fantastisches Team hat sich mit voller Hingabe um die Marke (Stop The Water) gekümmert und für mich war es Zeit weiterzugehen. Ich wollte immer eine starke Marke aufbauen aber in die Kosmetik bin ich eher hereingerutscht. Das können andere sicherlich besser. Und es war die richtige Entscheidung. Stop The Water While Using Me! macht tolle neue Produkte und Aktionen und ich liebe es von der Seitenlinie aus zuzuschauen.

DaoTown habe ich mit zwei Freunden gegründet. Amihay kommt aus der therapeutischen Richtung und hat mir in sehr gestressten Gründungszeiten damals schon neue Welten eröffnet. Und Lars hat auch bereits erfolgreiche Firmen erschaffen und weiß ebenso, was es heißt an Stressgrenzen zu gehen.

Uns war klar, dass mehr getan werden muss für unsere gestresste Welt. Ich selbst habe sehr deutlich gespürt, wie sich Stress negativ auf das Leben auswirken kann und wie wir oft mit falschen Mitteln verzweifelt versuchen dem Kreislauf zu entkommen. Wir wollen immer mehr machen damit es uns besser geht. Wobei die Antwort oft darin liegt, einfach von allem ein bisschen weniger zu machen! Alles in mehr Ausgeglichenheit.

Ich finde es so toll und bin so dankbar in dieser Welt zu leben, in der ich so viel erschaffen kann. Vor allem Dinge, die etwas verändern und die das Leben schöner machen. Stop The Water While Using Me! war nur mein erster Schritt. Ich wusste immer, dass noch viel mehr kommt. Dass ich wirklich einen Ort oder sogar mehrere Orte schaffen möchte, an denen Menschen inspiriert werden. Dinge finden, die sie vielleicht nicht gesucht haben, aber die ihr Leben positiv verändern. Diese Menschen geben dann diese Energie weiter in die Welt; das ist ein bisschen wie Wellen, die entstehen, wenn man Steine auf stillem Wasser flippt. Toll!

Erzähle uns bitte mehr über die Idee hinter DaoTown.

Wenn du heute jemanden fragst ‚Wie geht es dir?‘ ist die Antwort gern und manchmal auch nicht ohne stolz: ‚Viel Stress‘. Stress in unserem sozialen Leben, bei Arbeitsthemen, On- und Offline. Wir sind fast stolz darauf, viel zu tun zu haben und immer überall gebraucht zu werden. Auf lange Sicht macht uns das allerdings krank, entfremdet uns, von unserem Umfeld, von uns selbst. Dabei ist es gar nicht schwer, all das im Leben zu machen, was man machen möchte. Mit viel weniger Stress und dadurch glücklicher und produktiver.

Mit DaoTown erschaffen wir einen Ort, an dem man dies lernen kann. Ein Ort an dem man Inspiration findet, Stress reduziert, Effizienz lernt und vor allem das eigene innere Zentrum wieder klarer sieht und spürt.

DaoTown ist ein nachhaltiges Eco Retreat Center, mit fantastischer Architektur, in der schönsten Natur Portugals unweit vom Meer. Internationale Therapeuten, Lehrer, Coaches und Speaker werden dort ihr Wissen und Können teilen. Es gibt Retreats, Workshops, Festivals und eine maximal inspirierende Community. Es gibt wunderschöne Unterkünfte, ein ausgezeichnetes Restaurant, diverse Workshop- und Retreat Spaces, tolle Bars, einen großen Pool und viele andere Besonderheiten. Wir nennen es gern den ‘Selft-optimizing playground for adults’.

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Credit: Mali-Lazell

Du sagst selbst, dass Gründungen deine Leidenschaft sind. Was genau motiviert dich am meisten daran?

Ich liebe es neues zu erschaffen. Grenzen zu sprengen. Mich selbst herauszufordern und andere gleich mit. Zu lernen. Immer wieder und immer mehr zu lernen. Und ich bin einfach überzeugt, dass ich mit meiner Energie etwas verändern kann. Menschen helfen kann. Sei es dadurch, dass ich erfolgreiche Projekte erschaffe, die wirtschaftlich ebenso erfolgreich sind. Mit dem finanziellen Spielraum kann ich ganz andere Dinge bewirken und Menschen und Projekten helfen, die eben nicht wirtschaftlich positiv arbeiten können, weil der Schwerpunkt ein anderer ist. Für mich fühlt sich die Welt grenzenlos an. Ich habe das Glück immer weiter gehen zu können, immer neues zu lernen und fantastische Menschen dabei zu treffen und auch von ihnen zu lernen. Wie könnte dies keine Leidenschaft sein? Plan B gibt es in meinem Leben nicht. Nur andere Wege um weiterzugehen. All das motiviert mich ungemein.

Wer einmal gegründet hat, ist sehr schnell „infiziert“ von so viel Entscheidungsspielraum und den Möglichkeiten, die einem geboten werden. Wie stark hat sich deine Kreativität in den letzten Jahren entfaltet? Siehst du Businessideen vermehrt im Alltag?

Ich sehe überall Business Ideen. Oft viel zu schnell und zum Leid meines Umfeldes, denn jedem wird ungefragt aufgezeigt, wie man daraus etwas machen könnte und wie toll das doch wäre. Auch das gehört zum Gründen dazu, zu verstehen, dass jeder eigene Visionen hat und vor allem ein eigenes Tempo. Alles kommt wie es sein soll zu seiner Zeit. Ich sehe das gründen nicht als Hobby, sondern nehme es wirklich ernst und bin eher unfassbar dankbar, wie toll es ist so viele Möglichkeiten zu sehen und verfolgen zu können.

Wie lange hältst du für gewöhnlich an einer Idee fest, bis du entscheidest, ob du sie verwirfst oder sie weiterhin verfolgst?

Das ist schwer zu sagen. Da gibt es keine einfache Antwort. Manchmal hält sich eine Idee bis zum nächsten Morgen (wenn die Weltidee sich auf einmal in absolute Nichtigkeit aufgelöst hat) oder eine nicht so starke Idee wird immer größer und stärker mit der Zeit, wenn man ihr genügend Raum gibt. Wichtig ist es, Raum zu geben und zuzuhören. Vor allem der eigenen Intuition. Ein bisschen Google Research kann auch manchmal die Lebensdauer einer Idee wahnsinnig schnell auf null verkürzen.

Woran arbeitest du momentan für dich im Sinne der Selbstverwirklichung?

Mein Leben ist Selbstverwirklichung. Jeden Tag. Ich bin von wahnsinnig inspirierende Menschen umgeben, die ihre Gedanken mit mir teilen. Ich lebe in Portugal in der spannenden Stadt Lissabon in einem Haus am Meer. Ich arbeite an einem Projekt, dass unheimlich spannenden ist, mich an meine Grenzen bringt, mir jeden Tag neue Facetten von mir und dem Projekt selbst aufzeigt und wirklich etwas Großes wird! Maximale Selbstverwirklichung ist mein Hier und Jetzt.

www.dao.town

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