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Barbi Mlczoch, Gründerin von Cosmopola | “Eine Businesspartnerschaft ging total schief – was auch gut war, denn erst dann traute ich mir die alleinige Gründung zu.”
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Barbi Mlczoch, Gründerin von Cosmopola | “Eine Businesspartnerschaft ging total schief – was auch gut war, denn erst dann traute ich mir die alleinige Gründung zu.”

Barbi war eigentlich immer selbstständig, was anderes kenne sie gar nicht. Seitdem sie ein kleines Mädchen war, wollte sie schon ihr eigener Chef sein. Sie konnte es kaum erwarten erwachsen zu werden und ihr Ding zu machen. „Ihr Ding“ hat sich immer mal wieder weiterentwickelt; von einem zum anderen, von der Fotografin zur Magazinmacherin, zur Foto Agentin und Agenturgründerin und Mentorin.

Erzähle uns bitte, wie sich das für dich entwickelt hat.

In meiner Familie wimmelt es nur von Ärzten und „gschaiten studierten“. Omi war da anders, sie hat immer und alles fotografiert und alle waren davon genervt, ich eher davon fasziniert. So wurde ich erst Grafikdesignerin, dann Fotografin. Das ging gut los für mich mit kleine Werbeaufträgen. Am liebsten hatte ich Editorials und vor allem Foto-Lovestorys.

Circa 2006 hatte ich gehört, dass es auch Repräsentanten für Fotografen gibt. Das machte mich neugierig und ich bewarb mich, eigentlich mit dem Hintergedanken dort von Anja Wiroth vertreten zu werden. Leider hatte das nicht geklappt, jedoch kam es zu einer Zusammenarbeit und ich wurde selbst zur Fotoagentin.

Es waren tolle Jahre, viel Learning by doing, und wir hatten tolle Fotografen im Portfolio: Olaf Heine, Paul Ripke in seinen Anfängen… Alle meine fähigen Freundinnen holte ich ins Team und zusammen wuppten wir tolle Jobs. Irgendwann war das dann aber auch zu Ende. Wir wuchsen zu schnell, mit zu viel Euphorie und alle hatten sich irgendwann umorientiert. Ich aber wollte weitermachen, nur bisschen anders.

Erst traute ich mich jedoch nicht alles allein aufzuziehen und dachte viel darüber nach, wie ich es schaffen würde, monatlich genug damit zu verdienen. Ich zweifelte und entschied mich deshalb auch erst für einen kurzen Umweg und ging eine Partnerschaft mit einer Düsseldorfer Agentur ein. Leider ging das total schief – was letztendlich auch gut so war, denn erst dann traute ich mir zu, den Schritt zur Gründung von Cosmopola allein zu wagen.

Zweimal die Woche war ich Anfangs noch als Office-Unterstützung bei perfect props, einer Hair & Make Up Styling Agentur. Die Kombination aus eigenem Ding und einem Teil von einer bestehenden Branchenverwandten Agentur zu sein, war ideal für mein Wachstum.

Mit 22 Jahren bist du nach Berlin gezogen. Warum Berlin und was hast du dir von diesem Neustart erhofft?

In Wien hatte mir ein Mann das Herz gebrochen. Ich war fertig mit Wien und wollte einfach nur weg. Ich wollte mit 14 schon einmal gehen; Paris war damals mein Traum. Ich ging früher zur Lycée Français, einer internationalen französischen Schule, also die Sprache war daher also für mich kein Problem. Als ich dann mit 21 für eine Foto-Assistenz-Stelle in Paris war, hatte ich schon nach ein paar Wochen gemerkt, dass die Stadt doch nicht meins war. Die Zeit als Foto-Assistentin in einem Still Life Studio war witzig: alles noch analog, extrem technisch, statisch und mit viel Knowhow und Erfahrung verbunden. Es war eine fröhliche Runde. Ein Betrieb bestehend aus einem Inhaber und drei angestellten Fotografen. Ab Mittags gab es Rotwein und Abends gab es Whiskey.

Doch warum Berlin? Ich hatte im Rahmen meiner Ausbildung zur Fotografin einen Workshop bei einer deutschen Fotografin gewonnen. Dort freundete ich mit jemandem aus Ostberlin an, wir tauschten Adressen aus und luden uns gegenseitig ein. Im November 1996 stand ich dann vor seiner Tür, nachdem ich mich vorher via Postkarte angekündigt hatte. Ich hatte mir eigentlich eine Romanze erhofft, dazu kam es jedoch nicht. Trotzdem bot er mir aber ein Zimmer an. Bis vor kurzem wohnte ich sogar noch dort.

Berlin galt damals schon als cool, jedoch wollten aber noch nicht so viele dorthin – schon gar keine Wiener. Für Wiener war Berlin eher unhübsch, grau und auch deutsch. “Karriere kann man dort nicht machen, nur Party…“ Über eine Mitfahrzentrale machte ich mich also auf nach Berlin. Ich wollte mehr lernen und nebenher ein bisschen jobben, das war mein Plan. Offiziell erhoffte ich mir eine Zusatzqualifikation in 3D und hatte mich für eine 3D Ausbildung bei Silikon Graphics angemeldet. Wirklich erhofft hatte ich mir Abenteuer, aufregende Fotomotive, aufregende Fotomodelle und aufregende Affären. Ich war so glücklich in Berlin, wie es noch nie in Wien zuvor war. Ich fand meine große Liebe, bekam Kinder, baute meine Karriere auf. Berlin zahlte sich für mich komplett aus.

Aus deiner früheren Tätigkeit als Fotografin hast du ein großes Netzwerk mitbringen können. Inwieweit profitierst du heute noch davon?

Zu 100 %. Es macht mir Spaß mit „alten“ Bekannten zu arbeiten.

Als Vertretung für Fotografen, Illustratoren usw. hilfst du ihnen dabei, am Markt wahrgenommen zu werden. Was erwartest du von deinen Schützlingen, wenn du sie in deine Agentur aufnimmst?

Ich helfe meinen Künstlern auf dem Werbemarkt wahrgenommen zu werden, stelle sie meinen bestehenden Kunden vor und akquiriere neue Kunden. Ich berate auch bei der Portfolio-Auswahl, Ausrichtung, Instagram- Auftritten, welche Serien, welche persönliche Handschriften usw. Am wichtigsten ist es immer, eine Marke zu entwickeln, um sich von der Masse abzuheben. Gemeinsam bearbeiten wir Anfragen, legen Honorare fest, definieren Arbeitsgrundlagen und Bedingungen. Oft sind Verträge im Spiel, Geheimhaltungen und allerlei Buchhaltung, die mir aber erstaunlicherweise großen Spaß macht. Die größte Aufgabe ist es, Kostenvoranschläge auszuarbeiten, die dann auch zur Freigabe führen. Was ich erwarte: ein Portfolio, das mich begeistert. Ein Mensch, der mich interessiert und den ich gut leiden mag. Ich muss den Eindruck haben, dass der Künstler unter deutschen Werbebedingungen arbeiten kann, lösungsorientiert denkt und die Rolle des Machers am Set erfüllt.

Wo siehst du die Notwendigkeit an einen Mittelsmann, wie du einer bist? Warum können sich die Künstler nicht selbst vertreten?

Das ist eine gute Frage! Während es vor der Zeit des Internets als Repräsentant vor allem wichtig war, das Portfolio der Künstler via Aussendungen etc. zu zeigen und nach außen zu bringen, sehe ich mich heute vor allem als Mittelsfrau und als Partnerin für beide Seiten. Ich stehe zwischen dem Kunden und dem Künstler. Oft ist ebenfalls eine Werbeagentur im Spiel, also wie eine Dreiecksbeziehung. Meine Aufgabe ist es, das Beste für den Künstler herauszuholen und andererseits den Kunden zu beraten. Wir überlegen gemeinsam, was man wie und mit wem am besten für das Budget umsetzen kann. Natürlich kann sich jeder Künstler selbst vertreten, es ist allerdings sinnvoll, sich für die Kommunikation mit dem Kunden Verstärkung ins Boot zu holen. Für einen ausländischen Künstler ist es gut, vor Ort von einem Agenten, der sich auskennt, vertreten zu werden. Kommunikation und Dranbleiben sind wichtig.

Wie findest du deine Klienten, die du vertrittst?

Die finden mich. Ich bekomme täglich drei bis fünf Anfragen.

Was muss ein neuer Künstler an Erfahrung mitbringen, damit er in deiner Agentur aufgenommen wird?

Idealerweise eine Erfahrung, eine Story oder eine Persönlichkeit, die mich inspiriert! Ein Portfolio, das mich bewegt. Die Aussicht auf Jobs und tolle Projekte. Bei jedem Projekt lerne ich den Künstler besser kennen und wir profitieren voneinander. Vor zwei Jahren war ich für zwei Jahre die Agentin von Ellen von Unwerth, das war aufregend. Sie und ihre Arbeit, z. B. ihre Kampagnen mit Claudia Schiffer für Guess, waren der Grund, warum ich damals Fotografin werden wollte. Die Zusammenarbeit mit ihr war ein Türöffner. Ich würde auch sagen, dass meine anderen Cosmopola-Künstler davon profitiert haben.

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Zu deinen Referenzen gehören viele tolle, auch namhafte Kunden. Was ist deiner Meinung nach oberstes Credo, um solche Kooperationen für sich gewinnen zu können?

Das Schönste ist, wenn ich weiterempfohlen werde, mittlerweile passiert das schon recht oft. Das oberste Credo für mich ist, dass ich meine Kunden inspirieren möchte. Neukunden findet man überall, in erster Linie natürlich via LinkedIn, Instagram oder auch auf Parties und anderen Events.

Wie können wir uns deinen Alltag vorstellen? Folgst du einer Routine, die deinen Tag strukturiert?

Jeder Tag sieht ein bisschen anders aus und das finde ich spannend. Ich bin oft und gern mit auf Produktion und auch manchmal stark in die Jobvorbereitungen involviert. Ich liebe Kennenlern-Calls, wo man über potenzielle Projekte spricht. Auf Produktion bekomme ich gut mit, wie die Dynamik am Set ist und wie der Künstler arbeitet. Ich liebe es, nah am Kunden zu sein. Es ist super spannend deren Arbeitsalltag und die Hierarchie im Unternehmen kennenzulernen.
Ich mag Überraschungen und ich mag es, wenn ich morgens noch nicht weiß, wie der Tag sich entwickelt. Das passiert beispielsweise, wenn Anfragen hereinkommen. Es gibt Tage, meine Termintage, da treffe ich mich im anderthalb Stunden Takt mit Klienten und Kunden und zwischen drin erledige ich das Tagesgeschäft. Ich bin ein großer Fan vom Lunch mit Kunden. Das persönliche Gespräch ist einfach spannend. Dort finde ich heraus, was es Neues gibt und was gebraucht wird. Wenn ich nicht in der gleichen Stadt bin wie mein Kunde, dann führe ich seit neuestem den virtuellen Lunch (wir sitzen gemeinsam vor Skype und essen zusammen etwas, das ich vorher organisiert habe). Ich nehme mir jedoch auch gewisse Tage in der Woche, um meine Agenturarbeit zu schaffen. An diesen Tagen habe ich keine Termine, damit ich auch meine To-Do Listen abarbeiten kann. Ich habe allerdings gern Stress, irgendwie blühe ich dann auf.

Als Agenturinhaberin, wie viele Zeit verbringst du selbst noch kreativ als Fotografin und wie viel verbringst du mittlerweile am Schreibtisch?

Meine Kreativität lebe ich in meinen Gifs aus. Ich kommuniziere in Gifs. Einmal im Jahr plündere ich ein paar Requistenverleihe und mache eine Greenscreen Session.

www.cosmopola.de

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