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Maximilian Munz & Oliver Kremer, Gründer von CIRCLY | „Wir ärgern uns über manche Unternehmen, für die der Begriff Nachhaltigkeit nichts weiter als ein Buzzword ist.“

Maximilian Munz & Oliver Kremer, Gründer von CIRCLY | „Wir ärgern uns über manche Unternehmen, für die der Begriff Nachhaltigkeit nichts weiter als ein Buzzword ist.“

Als die Gründer Max und Olli ihr Business Circly gegründet haben, welches sich auf Hautpflegeprodukte aus Kaffee und Fruchtsäften konzentriert, wollten sie nicht nur ein innovatives Produkt entwickeln, sondern ein Zeichen gegen Rohstoffverschwendung setzen. Neben den vielen Beauty-Brands, die in dieser Nische von Frauen gegründet werden, sehen sie sich dabei zwar selbst etwas als Exoten in der Branche, finden aber auch, das Hautpflege keine Frage des Geschlechts ist und dass gerade Männer wissen, welche Hautpflege Sinn macht und welche nicht.

Wir haben gelesen, ihr wart beide vor CIRCLY als Unternehmensberater tätig. In welchen Bereichen war dies besonders hilfreich bei der Gründung eines eigenen Unternehmens?

Spannende Frage. Als Unternehmensberater lernt man sich sehr schnell in neue und noch unbekannte Bereiche einzuarbeiten. Das Ziel: Arbeite dich so schnell wie möglich in ein noch Unbekanntes Projekt ein. Insbesondere aber hat uns dieser abwechslungsreiche Beruf in der Entscheidungsfindung bezüglich neuer Produkte und hinsichtlich der Strukturierung von anfallenden Arbeiten geholfen.

Was hatte bei eurem Ideenfindungsprozess von CIRCLY Priorität? Mit einem nachhaltigen Unternehmen die Welt ein Stück besser zu machen oder eine Hautpflegeserie mit Upcycling auf den Markt zu bringen?

Beide Punkte waren für uns relevant. Wir haben erkannt, dass viele Produkte noch nicht ganzheitlich nachhaltig sind. Entweder enthalten manche Produkte, die als „umweltfreundlich“ beworben werden, Inhaltsstoffe die man nicht an seine Haut lassen sollte. Oder aber, sehr umweltfreundliche Produkte sind in einer sehr wenig umweltfreundlichen Verpackung verpackt. Wir sagen: Naturkosmetik sollte noch einen Schritt weiter gedacht werden!

Neben der Expertise als Unternehmensberater, woher habt ihr das Know-How rund um eure Hauptpflegeprodukte gewonnen?

Wir haben uns nächtelang in diese Materie eingelesen und zum Glück auch ein gutes Netzwerk aus Produktentwicklern aus der Vergangenheit sowie neue Impulsgeber finden können. Diese stehen uns mit Rat und Tat zur Seite und geben uns immer wieder neue Denkanstöße. Es gibt zum Beispiel eine Vielzahl von tollen Inhaltsstoffen, die sehr gut für die Haut sind, aber bisher noch nicht zu Hautpflegeprodukten verarbeitet werden.

Wieso sind Kaffee und Fruchtsäften solch eine tolle Basis für eure Hautpflegeprodukte?

Wir Deutschen sind wahre Kaffeejunkies, jedoch hat dieser leider von vornherein schon nicht die beste Umweltbilanz. Ein großer Anteil des CO2- Fußabdrucks entfällt auf den Transport.

Jede Minute fallen alleine durch unseren Kaffeekonsum alleine in Deutschland fast zwei Tonnen Kaffeesatz an. Dieser landet heute noch größtenteils auf Deponien. Dies wäre eigentlich gar nicht schlimm, wenn dieser Kaffeesatz nicht umweltschädliches Methan freisetzen würde. Methan begünstigt den Treibhauseffekt und sorgt mit dafür, dass sich die Atmosphäre immer mehr erwärmt.

Auch Fruchtschalen fallen in der Fruchtsaftindustrie in sehr hohen Mengen an. Diese sind zwar nicht immer ganz so schädlich wie Kaffeesatz, jedoch wollen wir auch hier ein Zeichen gegen Rohstoffverschwendung und gleichzeitig hochwertige Naturkosmetik ohne Kompromisse herstellen.

Credit: Circly

Ihr habt schon einige verschiedene Produkte in eurem Shop und launcht auch immer wieder neue. Wonach legt ihr fest, welches Produkt als nächstes entwickelt wird?

Ganz zu Anfang Fragen wir uns natürlich, welches Produkt überhaupt für uns wichtig und sinnvoll ist. Für uns als Männer müssen diese Produkte auch wirken und wir müssen Sie natürlich auch überzeugend an die Frau oder den Mann bringen. Wenn wir uns dann auf ein neues Produkt geeinigt haben, werden zuerst Muster in geringer Stückzahl entwickelt. Diese geben wir dann an unsere Testkunden. Das Feedback von diesen geht dann in die nächste Schleife der Produktentwicklung.

Lasst ihr euch da von aktuellen Trends am Markt leiten oder geht ihr das an, was sich für euch richtig anfühlt?

Wir laufen ganz klar nicht jedem Trend hinterher, sondern gehen unseren eigenen Weg. Wir sehen es ganz einfach. Wir müssen diese Produkte auch unseren Kunden verkaufen – und das authentisch!

Nun werden die meisten Beauty- und Skincare StartUps von Frauen gegründet und man findet nicht oft Männer, die sich einer solchen Mission, gerade bei Hautpflegeprodukten, annehmen. Fühlt ihr euch als Männer manchmal als Exoten in eurer Branche?

Gerade als Männer wissen wir, welche Hautpflege Sinn macht und welche nicht. Wir sind Exoten, aber trotzdem gibt es, was wir so mitbekommen, auch viele Männer, die sich immer mehr mit diesem Thema beschäftigen. Seine Haut zu pflegen, ist keine Frage des Geschlechts. So designen wir zum Beispiel unsere Produkte bewusst für Alle. Das Gesichtsserum ist z.B. auch perfekt als Bartöl geeignet, welches Juckreiz lindert. Ganz zu Anfang haben wir dieses Produkt nur bei Frauen beworben. Es stellt sich aber schnell heraus, dass auch Männer die Produkte gerne verwenden, da es anders als manch andere Seren, schnell einzieht und kaum fettet.

Eure Brand steht ja sehr für Nachhaltigkeit. Wie herausfordernd ist es, ein Unternehmen nachhaltig zu führen, aber auch die Wirtschaftlichkeit nicht aus den Augen zu verlieren?

Wir denken, dass dies für jedes nachhaltige Unternehmen eine Herausforderung ist. Gerade zu Zeiten von Corona haben wir aber bei unseren Kunden erkannt, dass Nachhaltigkeit, ein bewusster Konsum sowie das „Wissen woher es kommt?“ immer wichtiger werden. Gleichzeitig ärgern wir uns über manche Unternehmen, für die der Begriff der Nachhaltigkeit nichts weiter als ein Buzzword ist. Wir fordern daher eine Zertifizierung eines jeden Unternehmens hinsichtlich ihres Impacts auf die Umwelt. Gute Produkte sollten kein Luxus, sondern für alle verfügbar sein.

Wir haben gelesen, dass besonders der Aufbau von Lieferketten eine Herausforderung in eurer Gründung war. Wie befremdlich war das Thema Upcycling für eure Rohstofflieferanten, Produktentwickler und Lohnhersteller? Musstet ihr viel an Überzeugungsarbeit leisten?

Gerade am Anfang mussten wir viele Leute von unserem Konzept überzeugen. Als wir bei unseren Partnern dann direkt vorsprachen und diesen unser Konzept vorstellten, erkannten auch diese immer mehr das Potential, welches in der Idee Upcycling trifft Naturkosmetik, steckt.

Euer Business ist ja in München ansässig. Nun sagt man ja, dass die Trends und Innovationen zumeist aus Berlin kommen. Habt ihr konstant ein Auge auf das, was neben euch in der StartUp-Szene passiert oder versucht ihr euch eher auf eure Agenda zu konzentrieren?

Auch hier denken wir, ist die Mischung wichtig. Wir gehen unseren Weg, schauen aber auch links und rechts. Die Berliner Startup Szene hat viele spannende und innovative junge Unternehmen. Allerdings muss sich auch München in Sachen Innovationen und neuen Denkrichtungen nicht verstecken.

Auch in München gibt es zum Beispiel im Bereich Lebensmittel (was ja eigentlich einer unserer Ausgangsstoffe ist) Startups die neue und innovative Produkte auf den Markt bringen. Wir freuen uns ein Teil dieses Ökosystems zu sein und tauschen uns viel mit anderen Startups aus. Es gibt zum Glück viele großartige und spannende Startups, die Industrien verändern und neue Denkmuster etablieren wollen.  

www.circly.eu
@circlybeauty

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