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Claire Siegert und Victoria Arnhold, Gründerinnen von Businettes | „Wir selbst sind eigentlich unsere ersten Kundinnen und unterscheiden uns nicht wirklich von den Frauen, mit denen wir arbeiten.“

Claire Siegert und Victoria Arnhold, Gründerinnen von Businettes | „Wir selbst sind eigentlich unsere ersten Kundinnen und unterscheiden uns nicht wirklich von den Frauen, mit denen wir arbeiten.“

Claire Siegert und Victoria Arnhold, die Gründerinnen der Businettes, kennen sich bereits seit über 10 Jahren aus dem Studium und sind seitdem eng befreundet. Beide beschäftigen sich schon seit langer Zeit mit dem Thema Female Enterpreneurship und haben sich schließlich 2019 dazu entschlossen, ihre Full-Time Jobs zu verlassen und gemeinsam Businettes zu gründen.

Mit Businettes entwickeln Claire und Victoria aktuell eine Pre-Inkubator Plattform für gründungsinteressierte Frauen, die anhand von einem digitalen Founders Training zum einen die Möglichkeit erhalten sollten, aus ihrer Geschäftsidee einen pitch-perfect Business Case zu machen und zum anderen psychologisch fundierte Methoden integriert werden sollen, mit denen die Nutzerinnen sowohl ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken, als auch ihre Risikobereitschaft steigern können.

Zusätzlich erhalten die Nutzerinnen Sparring Partner aus der Businettes Community sowie Zugang zu relevanten Dienstleistern (Steuerberater, Programmierer, Designer, Coaches….). Diese 360° Begleitung ist individuell auf die Profile der Nutzerinnen zugeschnitten, digital und gamifiziert. Aktuell ist die Plattform zwar noch im Aufbau, Gründerinnen können aber jetzt schon von einer low-tech Version zu attraktiven Konditionen profitieren.

Liebe Claire, was habt ihr vorher gemacht und was macht euch zu den besten Sparring-Partnern in diesem Gebiet?

Nach unserem Master-Abschluss haben wir beide mehr als fünf Jahre in Corporates in Berlin, München, London und Paris gearbeitet. Victoria war in Marketing- und Strategieabteilungen von E-Commerce- & Retail-Unternehmen tätig und hat dort strategische Projekte geleitet. Bevor ich, Claire, in einem Innovationsnetzwerk eine Startup Screening Plattform aufgebaut habe, war ich im Innovationsmanagement bei einer führenden Forschungseinrichtung tätig, wo ich beim Aufbau eines Corporate Accelerators mitgewirkt habe.

Wir teilen die Leidenschaft für großartige Ideen und sehen beide eigentlich immer das Positive in jeder Situation und Person. Genau das liefert die Grundlage für Businettes. Unsere Karrierewege nach dem Studium waren sehr unterschiedlich, deshalb ergänzen sich unsere Kenntnisse jetzt umso mehr: Ich bringe jede Menge Erfahrung aus dem Bereich Entrepreneurship und Startup-Matching sowie eine große Portion Hands-on Spirit mit, während Victoria das Team in den Bereichen Strategie, Online Marketing und Branding stärkt. Durch ihr aktuelles Studium als psychologische Beraterin und Coach bringt sie außerdem das nötige Know-how mit, um Hürden wie fehlendes Selbstvertrauen unserer Nutzerinnen mit psychologisch fundierten Methoden anzugehen.

Nun gibt es ja schon einige Initiativen, Communities und Support Plattformen für Female Entrepreneurs. Was hat euch noch am Markt gefehlt, das ihr lösen wollt?

Wir finden es toll, so viele Netzwerke und Initiativen für Frauen und angehende Gründerinnen zu sehen. Da der Gender Gap in allen Bereichen bemerkbar ist, braucht es zahlreiche Initiativen mit unterschiedlichen Ansätzen um diese zu schließen. Wir stufen die genannten Initiativen daher nicht unbedingt als Wettbewerber, sondern zählen sie eher zu unserem Partner-Ökosystem ein.

Was Businettes zusätzlich anbietet ist der voll-automatisierte, digitale Ansatz, der es unter anderem angehenden Mompreneurs, Vollzeitangestellten und Frauen aus ländlichen Regionen ermöglicht, orts- und zeitungebunden an ihrer Geschäftsidee zu arbeiten. Viele der existierenden Inkubator- und Netzwerk-Angebote agieren nämlich meistens lokal und konzentrieren sich auf Großstädte.

Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass es aber auch genügend Frauen mit guten Geschäftsideen gibt, die kleine Kinder und wenig Zeit haben oder in ländlichen Regionen wohnen. Für sie ist es oft schwierig, abendliche Networking-Events o.ä. zu besuchen oder sich einem rigiden mehrwöchigem Inkubator-Programm mit Präsenzzeiten anzuschließen. Außerdem sind viele Programme sehr selektiv und fördern nur eine gewisse Anzahl von Gründerinnen, was oft als abschreckend empfunden wird. 

Mit unserem digitalen Pre-Inkubator wollen wir Frauen die Möglichkeit geben, jederzeit und standortunabhängig an ihrer Geschäftsidee zu arbeiten und das ohne Selektionsprozess – bei uns sind alle Arten und Reifegrade von Geschäftsideen willkommen.

Außerdem sind wir der erste Inkubator der neben den inhaltlichen Themen (wie Geschäftsmodell etc.) speziell auf die Bedürfnisse von gründungsinteressierten Frauen ausgerichtet ist. Besonders das Problem des mangelnden Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten sowie die Risikoaversion sind Themen, die aus unserer Sicht von anderen Programmen nicht intensiv genug behandelt werden. Dabei sind dies mitunter die Hauptgründe, die Frauen vom Gründen abhalten.

Auch fehlt es oft an konkreten, operativen Angeboten, die über das bloße Netzwerken hinausgehen und angehenden Gründerinnen genau das Handwerkszeug und die Skills vermitteln, die sie für den Ausbau ihrer Geschäftsidee brauchen. 

Auch preislich wollen wir mehr auf Gründerinnen zugehen, als das aktuell auf dem Markt der Fall ist. Individuell zugeschnittene Gründungs-Coachings sind oft sehr teuer. Wir arbeiten daher mit erschwinglichen Abo-Modellen, sodass am Ende die Geschäftsidee gereift ist und man sich nach wie vor seinen täglichen Lieblings-Latte gönnen kann.

Welche Bereiche seht ihr in Sachen Female Entrepreneurship laut eurer Kunden bisher noch am Herausforderndsten? Wo haben die meisten noch Entwicklungsschwierigkeiten und was fällt Entrepreneuren heutzutage am leichtesten?

Neben zahlreichen Studien die dies belegen, beobachten wir mit der aktuellen Version unseres Founders Trainings auch schon selber, dass das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sowie die fehlenden Strukturen in der Gründung eine große Herausforderung für Frauen darstellen. In unserem Founders Training stellen wir beispielsweise die Frage, warum unsere Kundinnen das Zeug dazu haben, ihre Geschäftsidee umzusetzen. Viele haben tatsächlich große Probleme, eine Antwort dazu zu formulieren und sind sich ihrer Stärken und Fähigkeiten nicht so genau bewusst bzw. fühlen sich unwohl dabei, “sich selbst zu vermarkten”. Das ist ein Problem, auf das wir unbedingt auch in unserer voll-automatisierten Plattform eingehen möchten und mit psychologisch fundierten Methoden zur Selbstbewusstseins-Steigerung arbeiten werden. Mit unserem Founders Training wollen wir unseren Kundinnen einen Rahmen und roten Faden geben, um ihrer Gründung mehr Struktur zu verleihen und um so effizient wie möglich das Business aufzubauen.

Wir arbeiten außerdem mit Visualisierungs-Methoden, um von Anfang an klare Ziele vor Augen zu haben. Die Arbeit an der Vision, beispielsweise das Erstellen von Vision Boards fällt unseren Kundinnen oft am leichtesten, kein Wunder! Die meisten Frauen, die sich bei uns melden, haben ihre Geschäftsidee schon seit Jahren im Kopf und wissen eigentlich ganz genau, was sie wollen.  

Credit: Businettes

Nun seid ihr beide Businessfrauen und habt ebenfalls eure eigenen Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht. Welcher Part war für euch gerade als Jungunternehmerinnen sehr schwierig zu meistern und wie habt ihr das gelöst?

Wir selbst sind eigentlich unsere ersten Kundinnen und deshalb unterscheiden sich die Herausforderungen, denen wir begegnen, nicht wirklich von den Frauen, mit denen wir arbeiten. Auch wir haben Tage, an denen uns große Zweifel plagen oder gegen das berühmt-berüchtigte Imposter-Syndrom kämpfen. Was uns besonders hilft ist die Tatsache, dass wir als Gründerinnen-Duo beide im selben Boot sitzen und uns gegenseitig stützen können. Es kommt selten vor, dass wir beide gleichzeitig einen Hänger haben – wenn eine down ist, zieht die andere sie wieder hoch! Uns ist bewusst, dass das ein großes Glück ist und nicht jede Gründerin eine Mitgründerin findet bzw. das überhaupt möchte. Deshalb wollen wir mit unserer Plattform bzw. unserem aktuellen Founders Training eine wahre Stütze sowohl für Sologründerinnen als auch Gründerinnen-Teams sein und ihnen auch in harten Zeiten und bei großen Selbstzweifeln zur Seite stehen.

Wenn wir auf die Testimonials auf eurer Webseite schauen, sehen wir Gründerinnen aus den unterschiedlichsten Nischen. Seht ihr hier einen Trend in den Problemgebieten in jeweiligen Branchen oder haben die meisten mit den gleichen Problemzonen zu kämpfen?

Die meisten unserer Kundinnen sind mit ähnlichen Hürden konfrontiert, egal um welches Business es sich handelt. Viele stellen sich die Frage, ob sie wirklich das Zeug für eine Gründung haben und ob ihre Idee tatsächlich gut ist. Viele unserer Kundinnen sind außerdem junge Mütter, dementsprechend haben sie relativ wenig Zeit, sich dem Aufbau ihrer Geschäftsidee voll und ganz zu widmen. Wir kooperieren deshalb bereits mit dem Babysitting-Unternehmen MyMary, das seit der Corona-Krise auch remote Babysitting anbietet. Mütter, deren Kinder älter als 3 Jahre alt sind, können so für ein paar Stunden weitgehend ungestört an ihrer Idee arbeiten.

Nun ist die aktuelle Version eures Founders Trainings ein Workshop der 6 Wochen dauert. Hat man anschließend alles was man braucht um sein Business erfolgreich zu führen?

Aktuell arbeiten wir mit unserem MVP in der Tat etwa 6 Wochen lang mit unseren Kundinnen zusammen. Auf unserer Plattform streben wir allerdings eine Kundenbindung über die ersten beiden Gründungsjahre an. 

Unsere Kundinnen kommen oft mit einer noch etwas wagen Geschäftsidee zu uns und verlassen uns aktuell nach maximal 6 Wochen mit einem wasserfesten Pitch, aus dem klar hervorgeht, wohin die Reise geht. Wir helfen ihnen dabei, ihre Geschäftsidee zu konkretisieren – vom Konzept über die Zielgruppendefinition bis hin zum Geschäftsmodell – und so zu optimieren, dass sie ihr Vorhaben danach direkt implementieren können. Und das mit dem nötigen Selbstvertrauen sowie der Business-Expertise, die es für einen erfolgreichen Pitch vor potenziellen Kunden, Partnern oder Investoren braucht. Um die Implementierung anfänglich zu begleiten haben wir bspw. ein MVP-Workshop integriert.

Nach Vollendung unseres Trainings decken unsere Kundinnen ca. 60% der Inhalte ihres Business Plans ab, sofern sie einen schreiben möchten. Darüber hinaus bieten wir unseren Kundinnen die Möglichkeit, sie auch über das Training hinaus in den Bereichen Markenaufbau, Marketingstrategie, SEO oder auch Kundenakquise zu begleiten. Wir können nicht – zumindest mit der aktuellen (wo)man-power – alle Bereiche einer Gründung abdecken, dafür verweisen wir unsere Kundinnen allerdings an die richtigen Stellen für alles was Bürokratie, Administration oder auch Finanzplanung anbelangt.

www.businettes.com
@businettes

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