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Annette Barth, Gründerin von Ajuma | „Es gibt so viele Hürden, da frage ich mich schon hin und wieder, warum ich mir das eigentlich antue!“
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Annette Barth, Gründerin von Ajuma | „Es gibt so viele Hürden, da frage ich mich schon hin und wieder, warum ich mir das eigentlich antue!“

Das Ziel von Annette’s Businesskonzept ist, dass ihre Familie und Kunden die Sonne zukünftig in allen Maßen genießen können. Dafür hat sie einen UV-Bodyguard entwickelt, der mithilfe einer App eine gesunde Sonnendosis berechnet und einem sagt, wie viel Prozent der gesunden Sonnendosis man bereits aufgebraucht hat, wie lange man noch in der Sonne bleiben kann, und man wird auch rechtzeitig gewarnt, bevor man einen Sonnenbrand bekommt. Für diese innovative Idee sie mit ihrem Business gerade einen internationalen Preis, die DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V.) Health Challenge des europäischen Raumfahrtprogramms, gewonnen.

Credit: Ajuma

Liebe Annette, was hast du vor deiner Selbstständigkeit gemacht?

Ich habe Psychologie und Master of Business Administration studiert. Zuerst habe ich als Consultant in der Weiterbildung, dann als Senior Product Managerin und Innovationsmanagerin in der Industrie gearbeitet. Als meine Tochter geboren wurde, war das ein wichtiger Umbruch in meinem Leben: Ich wollte etwas wirklich Sinnvolles tun, und gleichzeitig wollte ich zeitlich flexibler sein, um auch Zeit mit meiner Tochter zu verbringen. Die Idee mit dem UV-Bodyguard hatten mein Partner und ich schon lange – und dann haben wir uns entschlossen, wir machen das jetzt einfach zusammen. Ich habe meinen Job gekündigt und bin sozusagen ins kalte Wasser gesprungen.

Wie kam es zum Konzept mit Ajuma?

Ich bin sehr gerne draußen in den Bergen, am oder auf dem See unterwegs. Und leider bin ich sehr sonnenempfindlich und bekomme trotz Eincremen sehr leicht Sonnenbrand. Als vor zweieinhalb Jahren meine Tochter geboren wurde, habe ich mich intensiver mit dem Thema „UV“ und Kinder auseinandergesetzt: Kleine Kinder sind sehr sonnenempfindlich, sie können ohne Sonnenschutz nur etwa fünf bis zehn Minuten in der Sonne bleiben, und auch mit Sonnencreme Lichtschutzfaktor 50 ist die Zeit in der Sonne irgendwann aufgebraucht. Ganz viele Faktoren beeinflussen, wie viel UV-Strahlung ich tatsächlich abbekomme. Das sind beispielsweise Untergrund, Bewölkung, Tages- und Jahreszeit oder Höhe am Berg. Mir war es wichtig, dass wir mit unserer kleinen Tochter verantwortungsvoll umgehen und sie bestmöglich schützen wollen – auch was die Sonne angeht. Da es keinen UV-Messassistenten, so wie ich ihn mir vorstellte zu kaufen gab, habe ich zusammen mit meinem Partner angefangen, den UV-Bodyguard einfach selbst zu entwickeln.

Wie funktioniert euer Produkt?

Der UV-Bodyguard ist ein Wearable, das eine spezielle UV-Messtechnologie an Bord hat. Dieses Wearable wird via Bluetooth mit dem Smartphone verbunden und misst kontinuierlich die UV-Strahlung. In der zugehörigen Smartphone-App gibt der Nutzer nur seinen Hauttyp und den Lichtschutzfaktor seiner Sonnencreme ein. In der App kann er dann in Echtzeit sehen, wie viel Prozent seiner gesunden Sonnendosis er bereits aufgebraucht hat, wie lange er noch in der Sonne bleiben kann, und er wird rechtzeitig gewarnt, bevor er einen Sonnenbrand bekommt. Außerdem bietet die App des UV-Bodyguard eine UV-Vorhersage für den Ort des Nutzers an, für die wir Satellitendaten nutzen.

Credit: Ajuma

Wie lange habt ihr zeitlich an eurer Entwicklung getüftelt, bis das Produkt einsatzbereit für eure Kunden war?

Bis zum ersten Prototypen haben wir ein halbes Jahr getüftelt. Jetzt sind wir seit mehr als Eineinhalb Jahren an der Entwicklung. Uns ist wichtig, dass das Produkt zuverlässig und genau UV-Strahlung misst. Im Sommer haben wir daher den UV-Bodyguard auf der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus auf der Zugspitze getestet und mit dem UV-Messgerät des Bundesamts für Strahlenschutz verglichen. Die Übereinstimmung der beiden Messgeräte hat uns wirklich überwältigt, wenn man bedenkt, dass das Profigerät viele Tausend Euro kostet! Im Moment geht es noch um den Feinschliff, also in erster Linie um Designfragen (Gehäusedesign etc.). Zugegeben, der Weg zum Ziel ist länger und steiniger als gedacht, aber das positive Feedback das wir gerade bekommen, belohnt schon sehr!

Ihr habt mit eurem Produkt bewusst einen kleinen Nischenmarkt angepeilt. Viele Unternehmer versuchen gerade am Anfang jedoch den größtmöglichen Umsatz anzupeilen. Wie herausfordernd war das für euch aufgrund eurer Platzierung am Markt?

Die Konzentration auf Kinder kommt natürlich auch aus der eigenen Erfahrung und Überzeugung. Wir Erwachsenen merken schon noch eher, dass die Haut spannt und können dann etwas dagegen unternehmen, aber kleine Kinder können sich noch nicht selbst schützen, und daher müssen wir das für sie tun. Ein wichtiger Punkt beim UV-Bodyguard ist dabei die UV-Vorhersage, also wie lange kann ich oder mein Kind z. B. mit Hauttyp II und Sonnencreme Lichtschutzfaktor 30 heute in der Sonne bleiben? Das ermöglicht es mir, den Tag gut zu planen.
Wir erweitern neben dem Familienmarkt noch mit einem zweiten Design um die Gruppe der Outdoorfans / Outdoorsportler, da wir in Gesprächen festgestellt haben, dass Eltern entweder sehr angetan von unserer Idee sind – oder gar nichts zum Sonnenschutz ihrer Kinder unternehmen. Das hat mich schon etwas schockiert, wenn man bedenkt, dass schon wenige Sonnenbrände in der Kindheit das spätere Hautkrebsrisiko um das 3-5fache erhöhen.

Credit: Ajuma

Ihr habt zur Finanzierung euer Businessidee auch Crowdfunding genutzt. Habt ihr euer Ziel erreicht und wofür habt ihr das Budget genutzt?

Wir haben uns relativ kurzfristig entschlossen, die Crowdfunding-Kampagne im letzten Sommer als Testballon zu starten. Unser UV-Bodyguard ist ja (noch!) ein Sommerprodukt, somit war das Zeitfenster für die Kampagne sehr eng. Aber bei der Entwicklung hatte sich (wie so oft) einiges verzögert und wir wollten vor Kampagnenstart ganz sicher sein, dass alles gut funktioniert. Somit hatten wir im Endeffekt 2 Monate Kampagnenvorbereitung, was einfach viel zu kurz ist (Experten sagen, man müsste das ein Jahr vorbereiten). Und dazu kommt natürlich, dass ich die Kampagne allein und mit einer kleinen Tochter im Hintergrund gestemmt habe, was ein ziemlicher Höllenritt war, muss ich sagen. Somit haben wir das Finanzierungsziel der Kampagne leider nicht erreicht. Aber dennoch war es ein voller Erfolg: Wir wurden von möglichen Partnern angesprochen, einige Medien haben über uns berichtet, sogar Taff von Pro7 hat unser Produkt am Strand getestet und mit 3 von 3 Sonnenschirmen bewertet!

Welche Hürden, privat und beruflich, habt ihr bereits nehmen müssen?

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Es gibt so viele Hürden, da frage ich mich schon hin und wieder, warum ich mir das eigentlich antue! Aber die Tatsache, dass wir Sonnenbrand, das individuelle Hautkrebsrisiko (und längerfristig auch Vitamin D Mangel im Winter) reduzieren wollen, das Produkt also wirklich sinnvoll ist, baut mich dann immer wieder auf. Eine Hürde sind Entwicklungsthemen aller Art, die wir aber mit ein bisschen Tüfteln und tatkräftiger Unterstützung von unserem Elektronikentwickler Dirk bisher immer sehr gut lösen konnten. Da wir das Ganze bisher selbst finanzieren, ist das Geld natürlich chronisch knapp, vieles machen wir selber, und das dauert dann halt einfach länger. Und privat geht es mir wie so vielen Müttern, manchmal hat man viel Zeitdruck und Stress, zeitgleich aber ein kleines Kind das schlecht schläft, hin und wieder mal krank ist, oder einfach gerade ganz viel Zuwendung braucht. Es ist also ein ständiges Abwägen, Priorisieren, balancieren, oft mit Nachtschichten. Das gelingt mir manchmal besser, manchmal schlechter bis gar nicht.

Credit: Ajuma

Ihr steuert den Launch eures Produkts auf das Frühjahr 2020 an. Auf welche Outlets konzentriert ihr euch am meisten für einen erfolgreichen Launch?

Wir richten uns mit je einem anderen Gehäusedesign an Eltern und Outdoorfans. Es geht letztendlich darum, die Sonne gesund zu genießen und die richtige Sonnendosis zu finden, also weder zu wenig UV (Vitamin D Mangel) noch zu viel UV (Sonnenbrand, Hautkrebsrisiko). Wir konzentrieren uns auf Online-Vermarktung, themenspezifisch in den Bereichen Kind, Sport/Outdoor, oder in den allgemein bekannten großen Online-Shops. Wir hoffen natürlich darauf, noch viele weitere Vertriebspartner, dann auch offline, zu gewinnen.

Wo soll euer Produkt in Zukunft erhältlich sein?

Zum einen natürlich bei bekannten Onlineshops, ggf. auch über unsere Website www.ajuma.eu, und dann on- und offline in guten Kinderfach-, Sport- und Outdoor Geschäften.

www.ajuma.eu

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